Stabwechsel bei EADS
Enders nennt EADS-Führung eine Ehre

Die Hauptversammlung des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS ist am Donnerstag zum letzten Mal vom deutschen Verwaltungsratschef Bodo Uebber eröffnet worden. Auch an der Spitze des Vorstands steht ein Führungswechsel an.
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AmsterdamBei der Hauptversammlung in Amsterdam vollzieht Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern EADS heute en Stabwechsel. Verwaltungsratschef Bodo Uebber übergab den Vorsitz des Kontrollgremiums an den Franzosen Arnaud Lagardère. Im Gegenzug übernahm der Deutsche Tom Enders den Vorstandsvorsitz von EADS. Sein Vorgänger, der 68-jährige Franzose Louis Gallois, geht in den Ruhestand.

Enders sagte auf der Hauptversammlung, es sei „eine Ehre, in die großen Fußstapfen von Louis Gallois zu treten“. Gallois habe „das Unternehmen zu dem gemacht, was es heute ist“. Enders hat sich die Steigerung der Ertragskraft des Konzerns auf die Fahnen geschrieben: „Sowohl brutto als auch netto wollen wir zulegen“.

Auch sein Vorgänger fühlte sich geehrt „für so viele Jahre dem Unternehmen zu dienen“, sagte Gallois. „Wir haben es geschafft, EADS durch unruhige Zeiten zu lenken.“ Vorstände und Aktionäre applaudierten Gallois nach seiner letzten Rede als Konzernchef.

Der frühere Chef der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF hatte 2006 den Vorstandsvorsitz von Noël Forgeard übernommen und den Konzern für ein Jahr gemeinsam mit Enders geführt. Ein Jahr später wurde die Doppelspitze aufgelöst und der Deutsche wurde Chef von Airbus. Nach Informationen der französischen Wirtschaftszeitung „Les Echos“ (Donnerstag) lehnte er jegliche Prämie anlässlich seines Ausscheidens ab, darunter eine in Höhe von 495.000 Euro. Sie ist als Ausgleich für die Verpflichtung gedacht, dass der scheidende Top-Manager sein Wissen nicht der Konkurrenz zugutekommen lässt. Gallois, der bereits früher einen Teil seines Managergehalts karitativen Einrichtungen zukommen ließ, begründete das mit seinem Alter: „Mit 68 Jahren gibt es nur wenig Chancen, dass man mir vorschlägt, bei Boeing zu arbeiten.“

Enders Nachfolge als Airbus-Chef übernimmt der 50-jährige Franzose Fabrice Brégier. Er ist bisher im Airbus-Vorstand für das operative Geschäft zuständig. Der Deutsche Harald Wilhelm soll künftig neben den Airbus-Finanzen auch diejenigen des Gesamtkonzerns EADS führen, da der bisherige Konzern-Finanzchef Hans Peter Ring in den Ruhestand geht.

Die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile. Die bekannteste und bedeutendste Tochter der börsennotierten Aktiengesellschaft mit ihren rund 133.000 Mitarbeitern ist der Flugzeughersteller Airbus

Daneben fertigt EADS auch Propellermaschinen (ATR), Hubschrauber (Eurocopter), Kampfflugzeuge (Eurofighter), Militärtransporter (A400M), Satelliten (Astrium), Lenkwaffen (MBDA), Computer-Sicherheitstechnik und Verteidigungselektronik, aber auch Trägerraketen (Ariane) oder Atomgeschosse.

2011 wuchs der Umsatz um sieben Prozent auf 49,1 Milliarden Euro, der Überschuss sogar um 87 Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt die französische Seite nach EADS-Angaben auf rund 22,4 Prozent.

Mit rund 22,4 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielten Daimler-Chrysler rund 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken rund 7,5 Prozent. Allerdings behielt Daimler nach dem ausgehandelten Kompromiss sämtliche Stimmrechte der deutschen Seite. Daimler will sich von 7,5 Prozent trennen, die staatlich kontrollierte KfW Bankengruppe soll neuer Eigentümer werden, um das deutsch-französische Gleichgewicht bei den Anteilen zu wahren. Weitere rund 5,4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, 49,3 Prozent sind in Streubesitz.

EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam. In Paris und München sind bisher die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. In Hamburg ist die deutsche Airbus-Tochter beheimatet, die für die deutschen Werke zuständig ist.






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  • EADS - Führung eine Ehre? Glückwunsch Herr Dr. Thomas Enders. Machen Sie endlich Gebrauch von Ihrer Macht im Hause EADS. Ich sage nur Unterschleißheim - Cassidian - von den Misständen haben Sie seit Monaten Kenntnis - Mobbing, Kick-Back und ggf. Korruption, Diebstahl. Der EADS Ethik-Codex wird außer Kraft gesetzt, obwohl Sie Mitunterzeichner selbigen sind. Mobbing- Opfer sind Anzeigende, kranke Mitarbeiter und weitere. Hauptakteure sind Ihnen bekannt. Muss alles erst ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden, unter Angabe von Namen, getätigten und beweisbaren Aussagen sowie weiteren Details?

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