Stahl
Comeback in der Architektur

Schon im Modell wirkt die neue Elbphilharmonie, als wolle sie die Grenzen zwischen Skulptur und Gebäude aufheben. Ein surreal anmutender Glasbau, mit einem Dach, dessen weiße Hügel an eine Winterlandschaft erinnern. Planer mögen weiche Formen - und setzen gerade deshalb auf Stahl.

KÖLN. Das Konzerthaus der Architekten Herzog & de Meuron im Hamburger Hafen wird sich nach ihrer Fertigstellung im Jahr 2012 steil auf 110 Meter auftürmen. 8 000 Tonnen des Werkstoffs Stahl kommen beim Hamburger Bau zum Einsatz.

"Die Entwürfe der Architekten gehen immer häufiger hin zu freien und weiten Formen", sagt Armin Franke, Geschäftsführer beim Würzburger Stahlbauer Gartner Steel and Glass. Daher sei Stahl als Baustoff gefragt wie selten zuvor, er erlebe gerade eine Renaissance, sagt Franke. "Trotz Wirtschaftskrise spüren wir weltweit eine anhaltende Nachfrage nach architektonischen Stahlbauten."

Dass Stahl auf den ersten Blick oft unvermutet hinter dem Geheimnis ausgeklügelter Statik steckt, zeigt sich gleich an einer ganzen Reihe von repräsentativen Bauten - obwohl die Baubranche schwierige Zeiten erlebt. So verwenden die Erbauer der Elbphilharmonie den Werkstoff nicht nur im Dach, sondern auch als Stahlbeton im Kaiserspeicher. Dieser rote Backsteinbau mit seinem trapezförmigen Grundriss bildet das sachliche Fundament zum verspielten Oberbau des Gebäudes. Er wurde zunächst entkernt, bis nur noch die Fassade stand. Weil sie ohne Innenwände auseinander gefallen wäre, hat sie das Unternehmen Holterhus Stahlbau aus Emsbüren mit acht Stahlbändern von jeweils 340 Metern Länge eingefasst. Zu den bestehenden 1 111 Stahlbetonpfählen, auf denen der alte Kaiserspeicher fußte, kamen dann weitere 650 hinzu. Die Pfähle reichen durch den Elbschlick in die tiefer liegenden Sandschichten und verleihen dem neuen Gebäude so Standfestigkeit.

Ein paar Stahlträger mehr, nämlich 12 000, kommen beim Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen zum Einsatz. Ende Januar 2009 öffnete es erstmals seine Tore. 6 000 Tonnen Stahl sorgen dafür, dass das Gebäude des Wiener Architekturbüros Delugan Meissl Associated Architects zu schweben scheint - es fußt auf nur drei Stützen. Damit die Stahlbetonkerne das Gewicht des Raumes tragen können, hat das Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner massive Stahleinbauteile entwickelt. Erst sie verleihen den Trägern die Festigkeit, um die Ausstellungshalle mit ihren 80 historischen Porsche-Modellen zu tragen. Die Träger besitzen eine Spannweite von 60 Metern. Selbst die Fassade kommt nicht ohne Stahl aus: Sie besteht aus weiß beschichteten Metallteilen. Darunter befindet sich Edelstahl.

Das Stahlbauunternehmen Gartner Steel and Glass hat im letzten Jahr das Terminal 3 des Flughafens von Dubai fertiggestellt. Das Gebäude ist das erste, das speziell für den Airbus A380 geplant wurde, das größte Passagierflugzeug der Welt. Die Stahl- und Glaskonstruktion beeindruckt durch seine außergewöhnliche Größe und Form. Sie ist knapp einen Kilometer lang und besitzt die Form eines Flugzeugflügels. "Wir haben die Fassade mit minimalem Stahleinsatz konstruieren können", sagt Franke. Das riesige Gebäude wirkt trotz seiner Masse leicht und hell. Die gesamte Glasfläche beträgt rund 35 000 Quadratmeter.

Befände es sich in der Schweiz, wäre es vermutlich ein Kandidat für den dortigen Stahlpreis "Prix Acier". Den Preis vergibt das Stahlbau Zentrum Schweiz am 30. September. Fünf Bauten erhalten eine Auszeichnung. Aus ihnen ragt der Neubau des Verwaltungsgebäudes für das Pharma-Unternehmen Merck Serono in Genf der Architekten Murphy/Jahn heraus. Er zeichnet sich durch seine Stahl-Glas-Konstruktionen der Fassade und des Daches aus. Über dem Forum haben die Architekten das größte zu öffnende Glasdach der Welt entworfen. Je nach gewünschter Temperatur hebt oder senkt sich die 1 000 Quadratmeter große Fläche. Auch die Eingangstüren sind für die Klimatisierung zuständig. Die zwölf Meter hohen Tore aus Glas und Stahl drehen sich automatisch, um Frischluft ins Gebäude zu leiten.

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