Stahl- und Röhrenproduzent profitiert vom Branchenboom – Konzern prüft Verkauf des Verlustbringers Verarbeitung
Salzgitter will eigenständig bleiben

Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller Salzgitter soll eigenständig bleiben. "Wir wollen wachsen und uns als Nischenanbieter im Markt positionieren", sagte Konzernchef Wolfgang Leese dem Handelsblatt. "Und die erfolgreiche Entwicklung in den vergangenen Jahren hat gezeigt, dass wir durchaus in der Lage sind, unsere Ziele aus eigener Kraft zu erreichen."

DÜSSELDORF. Der niedersächsische Stahl- und Röhrenkonzern Salzgitter hat nach einem Gewinnsprung im dritten Quartal seine Ergebnisprognose für 2004 erneut angehoben. Konzernchef Wolfgang Leese erwartet für das Gesamtjahr nun ein Ergebnis vor Steuern „von mindestens 200 Millionen Euro“. Das wäre eine Verfünffachung des Vorjahresresultats von 42 Mill. Euro und der höchste Gewinn in der Unternehmensgeschichte. Mehrere Analysten setzten am Freitag ihre Empfehlungen für Salzgitter herauf. Die im M-Dax notierte Aktie verteuerte sich gegen den Trend um ein Prozent.

Bereits im August hatte Salzgitter seine ursprüngliche Ergebnisprognose für 2004 auf 150 Mill. Euro verdoppelt. Wie andere Unternehmen auch profitiert der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller vom derzeitigen Boom in der Branche. Dieser geht vor allem auf das Konto der hohen Nachfrage aus China. Innerhalb eines Jahres haben sich die Stahlpreise verdoppelt, so dass die Produzenten die Kostenbelastungen aus den ebenfalls stark verteuerten Rohstoffen wie Erze, Koks und Schrott inzwischen fast ausgleichen können. „Zusätzlich“, sagte Leese dem Handelsblatt, „wirken sich bei Salzgitter die kontinuierliche Verbesserung der Kostenpositionen aus.“

Mit einem Vorsteuergewinn von 75,6 Mill. Euro hat Salzgitter im dritten Quartal fast so viel verdient wie im ersten Halbjahr und damit die Schätzungen von Analysten um mehr als 20 Mill. Euro übertroffen. Im Vorjahresquartal hatten der stockende Aufschwung in der deutschen Stahlindustrie, die Folgen des Irak-Krieges und negative Währungseinflüsse Salzgitter stark belastet. Vor allem das Röhrengeschäft litt darunter, da der Konzern in Euroland produziert, die wichtigsten Absatzmärkte aber im Dollarraum liegen. Für die kommenden Monate erwartet Salzgitter angesichts des weltweit größeren Energiebedarfs und des hohen Ölpreises eine „sehr zufrieden stellende Auslastung“, heißt es im am Freitag vorgelegten Zwischenbericht.

Für die ersten neun Monate weist der Salzgitter-Konzern ein Ergebnis von 157,2 Mill. Euro nach 32,9 Mill. Euro im gleichen Vorjahreszeitraum aus. Der Umsatz erhöhte sich kräftig um 16 Prozent auf 4,3 Mrd. Euro. Den größten Beitrag zum Gewinnanstieg leistete der Unternehmensbereich Stahl, der sein Ergebnis auf 73,9 Mill. Euro (Vorjahr: 19,3 Mill.) verbesserte. Fast gleichauf lag die Sparte Handel mit 72,6 Mill.Euro – nach 10,3 Mill. in 2003. Das Röhrengeschäft erzielte den höchsten Gewinnzuwachs mit einem Gewinn vor Steuern von 53,8 Mill. Euro. Im Vorjahr lag das Ergebnis mit 1,6 Mill. Euro nur knapp über Null. Einzig die kleinste Konzernsparte Verarbeitung bereitet Salzgitter weiter Probleme. Hier verdoppelte sich das Minus gegenüber 2003 auf 22,6 Mill. Euro. Branchenkenner erwarten, dass sich Salzgitter von dem Verlustgeschäft lieber früher als später trennen will. Auch Leese machte eine Andeutung in diese Richtung: „Die Verarbeitung ist kein Wachstumsfeld für uns.“

An der Fusionswelle in der Branche will sich Konzernchef Wolfgang Leese nicht beteiligen. Salzgitter profitiere aber davon: "Die meisten unserer Kunden begeben sich nur ungern in eine zu große Abhängigkeit von einigen wenigen Stahlherstellern."

Vorsichtig optimistisch schätzt Salzgitter die Aussichten für 2005 ein. Weil die US-Zinsen steigen und China einer Überhitzung der Konjunktur entgegensteuert, werde das Wachstum der Weltwirtschaft nachlassen. Die Stahlnachfrage werde aber weiter steigen. Auch die Preise dürften stabil bleiben: „Es verfestigt sich die Meinung im Markt, dass die chinesische Wirtschaft eher langsam abkühlt. Ein Zusammenbruch der Stahlpreise ist kaum zu erwarten“, sagte Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz.

Heute legen Arcelor und Voestalpine, zwei weitere europäische Stahlkonzerne, ihre Zwischenberichte vor. In beiden Fällen rechnet die Mehrzahl der Analysten mit einem starken Gewinnanstieg.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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