Stahlbranche
Hersteller erwarten nur allmähliche Erholung

Die Deutsche Stahlbranche glaubt, die Talsohle erreicht zu haben. Mit einer Erholung sei jedoch frühestens ab 2011 zu rechnen. Im laufenden werde die Produktion weiter einbrechen - auf den tiefsten Stand seit über 40 Jahren.
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HB DÜSSELDORF. Die Stahlindustrie in Deutschland erwartet nach dem Geschäftseinbruch durch die Wirtschaftskrise nur eine allmähliche Erholung. Die heimische Rohstahlproduktion werde zwar 2010 gegenüber dem niedrigen Niveau von 2009 wohl im zweistelligen Prozentbereich zulegen, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, am Montag in Düsseldorf. Im laufenden Jahr falle die Produktion aber voraussichtlich um rund 30 Prozent auf etwa 32 Mio. Tonnen - den niedrigsten Stand seit 1963. Auch 2010 werde die Industrie mit ihren deutschen Branchenführern ThyssenKrupp und Salzgitter weniger als 40 Mio. Tonnen herstellen. 2008 waren es 45,8 Millionen.

Mit einer Normalisierung der Stahlkonjunktur rechne die Branche frühestens 2011. Das Schlimmste sei aber überstanden, sagte der Verbandschef. Im dritten Quartal hätten die Bestellungen wieder auf der Höhe des Vorjahres gelegen. Die Kapazitäten seien zu knapp 80 Prozent ausgelastet, nachdem dies zeitweise nicht mal zu 50 Prozent der Fall gewesen sei. "Auch die Kurzarbeit konnte von 50 Prozent der 95 000 Beschäftigten im Mai auf inzwischen 25 Prozent gesenkt werden."

Mit Sorge blicken die hiesigen Hersteller auf die Produktion der Konkurrenz in China. Sie fürchten, dass deren Stahl die Weltmärkte überschwemmen könnte. Die Werke in der Volksrepublik hatten angekurbelt von staatlichen Konjunkturprogrammen ihren Stahlausstoß in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Jede zweite Tonne des Werkstoffs wird in China hergestellt. Trotz des hohen Wachstums auf dem Binnenmarkt werde China vermutlich bereits im vierten Quartal wieder ein Nettoexporteur von Stahl werden, sagte Kerkhoff. "In der zurzeit noch weltweit fragilen konjunkturellen Lage wäre dies in erheblicher Größenordnung nur schwer zu verkraften."

China habe Überkapazitäten von rund 200 Mio. Tonnen, sagte Kerkhoff. Die europäischen Stahlhersteller fordern von der Führung in Peking bereits seit Jahren, Hütten zu schließen. Diese sind jedoch in den Provinzen oft der wichtigste Arbeitgeber. Kerkhoff schloss nicht aus, dass die europäischen Hersteller sich wie bereits 2007 mit Anti-Dumping-Klagen an die EU-Kommission wenden, sollten Länder wie China "mit Hilfe unfairer Handelspraktiken kräftige Marktanteilsgewinne realisieren".

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