Stahlindustrie
Hersteller müssen eisern sparen

Sorge bereiten Experten die Überkapazitäten in der Branche. Alleine in China sollen es rund 100 Mio. Tonnen sein; in Europa und Nordamerika sind es deutlich weniger. Nach Branchenangaben werden in den USA derzeit Hochöfen mit einer Kapazität von rund zehn Mio. Tonnen im Zuge der Krise dauerhaft still gelegt. Dies wären rund zehn Prozent der für dieses Jahr erwarteten Stahlmenge.

Eingekeilt zwischen den Bergbaukonzernen und den wichtigen Kunden aus der Auto- und Maschinenbauindustrie bleibt den Stahlunternehmen keine Alternative, als ihre Kosten zu senken. Einsparpotenzial sieht Peter Berggren von der Unternehmensberatung Accenture in den Verwaltungen und den IT-Abteilungen. Thyssen-Krupp ist mit der geplanten Verschlankung auf dem richtigen Weg, wie er sagt. Vorstandschef Schulz will im Zuge des Konzernumbaus die Verwaltungen in der Holding bündeln und darüber rund 500 Mio. Euro jährlich einsparen.

Mit der Krise steigt der Konsolidierungsdruck. Als ein Übernahmekandidat gilt der Stahlhändler Klöckner, auch wenn Finanzvorstand Gisbert Rühl im Gespräch mit dem Handelsblatt betont, dass es seit dem Börsengang vor drei Jahren "definitiv" keine Gespräche mit Unternehmen aus der Stahlbranche gegeben habe. Die Duisburger würden aus Sicht von Branchenkennern gut zu Thyssen-Krupp passen, die mit zwei Großprojekten in Brasilien und den USA ihre Position in Nordamerika stärken wollen. Damit sich die rund acht Mrd. Euro teuren Investitionen auch rechnen, benötigt der Ruhrkonzern einen besseren Kundenzugang in den USA. Hilfreich wären dabei die 30 Standorte von Klöckner in dem Land, sagt ein Analyst.

Neben der brancheninternen Konsolidierung rät Stahlexperte Malkwitz zum Einstieg in das Minengeschäft. "Den Unternehmen bleibt die Möglichkeit der Rückintegration, also rein in den Rohstoffbereich", sagt er. Damit können die Unternehmen die Abhängigkeit von den Bergbaukonzernen verringern.

Produktion bleibt niedrig

Produktion Auch im Mai ist die weltweite Stahlproduktion geschrumpft. Nach Angaben des Weltstahlverbands produzierten die Werke mit 95,6 Mio. Tonnen rund ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum. In den ersten fünf Monaten sank der Stahlausstoß damit um 22,4 Prozent. Gebeutelt werden vor allem die Stahlkocher in Europa und Nordamerika, wo die Rückgänge bei über 40 Prozent lag.

Deutschland Unter der Absatzflaute leiden auch die deutschen Stahlkonzerne. Branchenweit fiel die Produktion im Mai laut Verbandsangaben um 47,8 Prozent auf 2,2 Mio. Tonnen. Die Unternehmen, angeführt von Thyssen-Krupp und Salzgitter, setzt die schwache Nachfrage aus der Fahrzeug- und Maschinenbauindustrie zu.

China Gegen den Abwärtstrend stemmt sich China, das im vergangenen Jahr rund ein Drittel der weltweiten Produktion von 1,3 Mrd. Tonnen auf sich vereinigte. Der Marktanteil dürfte sich nun verschieben: Im Mai wuchs die Stahlmenge um 0,6 Prozent auf 46,5 Mio. Tonnen. Experten begründen das Wachstum mit einer hohen Nachfrage, die von Infrastruktur-Projekten getragen wird.

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