Stein- und Braunkohle steuern 50 Prozent zur Stromerzeugung bei, belasten aber auch die Umwelt stark
Kohleanlagen sollen effizienter werden

Das Projekt ist ehrgeizig: In Neurath bei Neuss plant die RWE AG ein riesiges Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik (BoA). Mindestens 1050 Megawatt Leistung soll die Anlage haben.

DÜSSELDORF. Vermutlich baut RWE gleich noch einen zweiten Block mit gleicher Leistung. 1,2 Mrd. Euro müsste der Konzern für einen, zwei Mrd. Euro für zwei Blocks investieren. Der Bauantrag ist bereits gestellt.

Dem Projekt werden weitere folgen, denn Deutschlands Kohlekraftwerke kommen in die Jahre. Jede zweite Anlage, die mit Steinkohle oder Braunkohle befeuert wird, erreicht 2010 ihre technische Lebensdauer und muss umfassend modernisiert oder ersetzt werden.

Dabei bildet Kohle das Rückgrat der deutschen Energieversorgung. 2003 betrug ihr Anteil an der Stromerzeugung 50 Prozent. Nach Einschätzung von Alfons Kather, Energieexperte an der Technischen Universität Hamburg-Harburg, wird sich das auch nicht entscheidend ändern: „Der Einsatz von Kohlekraftwerken wird in Deutschland über Jahrzehnte nötig sein.“

Schließlich ist die Versorgung mit Stein- oder Braunkohle für die nächsten Jahrzehnte gesichert. Verglichen mit den anderen fossilen Energieträgern Öl und Gas sind ihre Reserven viel größer. Und: Die Lagerstätten sind auf viele Länder etwa Südafrika, Australien, Kolumbien, China oder Polen verteilt und nicht, wie Öl, vor allem auf Krisenregionen konzentriert. Das bringt Versorgungssicherheit.

Kein fossiler Energieträger ist zudem im selben Maße hier zu Lande verfügbar. Während der Anteil der hoch subventionierten Steinkohle sinkt, steuert der Braunkohle-Tagebau im Rheinland und in Ostdeutschland große Mengen bei.

Doch anderseits verschmutzt auch kein Energieträger die Umwelt mehr als Kohle: Stein- und Braunkohlekraftwerke stoßen große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) aus. Der ab 2005 geplante Handel mit Emissionsrechten, bei dem Anlagenbetreiber mit hohem CO2-Ausstoß belastet werden, drohte denn auch den Bau neuer Kraftwerke zu verteuern. RWE und Vattenfall Europe, die beide eigene Braunkohlelagerstätten betreiben und besonders stark auf Kohle setzen, intervenierten. Mit Erfolg: Die Belastung durch den Emissionshandel ist zunächst gering. Wie sehr der Emissionshandel aber ins Kalkül mit einfließt, zeigt, dass RWE seine Entscheidung für das Kraftwerk in Neurath von der Ausgestaltung des CO2-Handels abhängig macht. „Jede Investition muss sich rechnen“, betont RWE-Chef Harry Roels.

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