Strategiewende
Der Charme der kleinen Autos

Angesichts horrender Spritpreise und gestiegenem Umweltbewusstsein setzt die Automobil-Welt, die USA eingeschlossen, zunehmend auf kleinere und spritsparendere Autos. Die Strategiewende hat weitreichende Konsequenzen, insbesondere für die Zulieferer. Wie deutsche Zulieferer ihren Technologievorsprung nutzen – und den US-Markt erobern wollen.

STUTTGART/NEW YORK/DÜSSELDORF. „Think big“ prägt seit Jahrzehnten das Denkmuster der US-Amerikaner. Da wirkt es wie ein Anachronismus, dass jetzt „Downsizing“ – also verkleinern oder verringern – für die angeschlagene US-Autoindustrie zum Schlüssel des Erfolgs werden soll. Downsizing klingt amerikanisch, geprägt haben den Begriff aber Japaner und Europäer und deren Zulieferer.

Für die tun sich nun neue Chancen auf. Die Welt – die USA eingeschlossen – will kleinere Autos mit geringerem Spritverbrauch. Also krempelt Ford die Produktion um, holt Modelle wie den Fiesta in die USA und sucht fieberhaft Anschluss an die Technologien der nächsten Generation. Der größte US-Autobauer General Motors (GM) bastelt derweil am Elektroauto Chevrolet Volt.

Die Strategiewende der US-Hersteller hat weitreichende Konsequenzen, insbesondere für die Armada der Zulieferer. Das Magazin „Spiegel“ hat Firmen wie Bosch, ZF und Continental kürzlich zur „neuen Avantgarde der Autowelt“ gekürt, weil sie sich von bloßen Handlangern zu Meistern der Innovation hochgearbeitet haben. Von den US-Zulieferern kann man das nicht behaupten. Delphi, Tower Automotive, Dura und Collins & Aikman sind in Insolvenzverfahren, eine Anschlussfinanzierung ist angesichts der Kreditkrise höchst fraglich. Auch Visteon, Lear und American Axle leiden schwer unter der Schrumpfkur im Automekka Detroit. Längst teilen die meisten US-Zulieferer das Schicksal ihrer Hauptauftraggeber GM, Ford und Chrysler: Seit Jahren wird gespart, nicht mehr investiert.

Selbst die US-Domäne Turbolader, die aus Motoren mehr Leistung kitzeln, ist bedroht. Bosch und Mahle stecken mehrere hundert Millionen Euro in ein Gemeinschaftsunternehmen für Turbolader – weil Hersteller mit den US-Produkten nicht mehr zufrieden sind.

„In den USA ist ein Fenster aufgegangen, denn technologisch sind die Europäer einen Schritt weiter“, sagt Michael Roesnick selbstbewusst. Der Geschäftsführer der auf Bediensysteme spezialisierten Preh-Gruppe hat die US-Expansion vorangetrieben, Großaufträge von GM und Ford in der Tasche und wird 2008 erstmals mehr als eine Million Klimabedienteile nach Detroit liefern. Dank US-Kunden bleibt die Firma aus Bad Neustadt an der Saale mit 321 Mill. Dollar Umsatz auf Expansionskurs. Für Roesnick ist der US-Trend zu ausländischen Zulieferern eindeutig und nachhaltig. Die „Big Three“ hätten nur über Qualität eine Chance, wieder in den Markt zurückzukommen. Und im Autobau heiße Qualität „Made in Germany“.

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