Streik am Donnerstag
Frankfurter Flughafen drohen massive Behinderungen

Eine kleine aber für den Betrieb wichtige Arbeitnehmer-Gruppe will den Flughafen Frankfurt lahmlegen. Die Politik denkt über ein neues Streikrecht nach, um die Macht von Spezialgewerkschaften zu begrenzen.
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Frankfurt/BerlinNach der Streikankündigung der Fluglotsengewerkschaft GdF werden in der schwarz-gelben Regierungskoalition Rufe nach einem neuen Anlauf für eine gesetzliche Begrenzung der Macht von Berufsgewerkschaften laut. „Es kann nicht der Zweck von Tarifautonomie sein, jeglicher Durchsetzung von Partikularinteressen in den Betrieben freien Lauf zu lassen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). „Erst recht ist es nicht akzeptabel, dass eine Gruppe von wenigen hundert Beschäftigten alle Fluggäste und Fluggesellschaften in Frankfurt für solche Zwecke in Geiselhaft nimmt“, sagte er. „Die aktuelle Streikankündigung der Fluglotsengewerkschaft zeigt einmal mehr, dass eine gesetzliche Festschreibung der sogenannten Tarifeinheit notwendig bleibt.“

Auch der Vorsitzende der CDU/CSU-Arbeitnehmergruppe im Bundestag, Peter Weiß, plädierte dafür, Konsequenzen aus dem Vorgehen der GdF zu prüfen. Das Streikrecht sei einerseits „von zentraler Bedeutung für die Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen“, sagte Weiß dem Handelsblatt. „Das Beispiel des Frankfurter Flughafenstreiks zeigt jedoch, dass bestimmte Regeln zur Einhaltung der Tarifeinheit im Unternehmen notwendig sind und im Interesse sowohl von Arbeitgebern wie auch Gewerkschaften liegen.“

Die Fluglotsengewerkschaft GdF hat für Donnerstag die Flugfeldkontrolleure am Frankfurter Flughafen zu einem Streik aufgerufen, der den Flugbetrieb massiv zu beeinträchtigen droht. Flugreisende müssen sich auf Verzögerungen und Ausfälle einrichten. Von 15 Uhr an wollen rund 200 Beschäftigte mit Spezialjobs auf dem Vorfeld den Betrieb lahmlegen, wie die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) am Mittwoch in Berlin ankündigte.

Der Betreiber Fraport will mit einer Schar von „Management-Lotsen“ gegenhalten und mindestens die Hälfte des geplanten Verkehrs aufrechterhalten. Der für den Flugbetrieb zuständige Fraport-Vorstand Peter Schmitz forderte die Passagiere auf, sich bei ihren Fluggesellschaften zu informieren, ob die Flüge wie angekündigt stattfinden.

Hintergrund ist der Tarifkonflikt um die 200 Beschäftigten, die als Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen oder Flugzeug-Einweiser arbeiten. Sie wollen über die GdF ein deutlich höheres Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen erreichen. Der Flughafenbetreiber Fraport hatte einen Schlichterspruch des Hamburger CDU-Politikers Ole von Beust abgelehnt und eine nachfolgende Erklärungsfrist der Gewerkschaft verstreichen lassen. Die GdF will den Spruch nach eigenen Angaben umsetzen. 

Man wolle auf Grundlage des bisherigen Angebots weiterverhandeln, erklärte Fraport-Arbeitsdirektor Herbert Mai. Er widersprach der GdF-Darstellung, dass man die Gleichstellung mit dem Personal in München verweigere. Bei den Vorfeldlotsen sei man auf exakt dem gleichen Niveau. Bei den übrigen Beschäftigen verlange die GdF Gehälter, die den Rahmen am Flughafen sprengen würden. Für sie gebe es auch keine Vergleichsgruppen in München oder Berlin. Mai bezifferte die verlangten Steigerungen auf 64 bis 73 Prozent gegenüber dem Status Quo. Fraport prüfe zudem juristische Schritte gegen den Streik. 

Bei den übrigen Beschäftigten träfen die Forderungen auf wenig Verständnis, berichtete Schmitz. „Es handelt sich um eine egoistische berufsständische Organisation, die ohne Rücksicht ihre Forderungen durchsetzen will.“ Es hätten sich aus dem Fraport-Management viele frühere Vorfeldlotsen gemeldet, die einspringen wollten und in den vergangenen Tagen intensiv geschult worden seien. „Bei der Sicherheit machen wir keine Abstriche.“ Man werde sicher mehr als die Hälfte des geplanten Verkehrs abwickeln können und die Flüge nach Priorität einteilen. Bis zum Streikbeginn werde der Verkehr voraussichtlich normal laufen und sich dann langsam verzögern.

Die Strecken- und Towerlotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) sind zur Lenkung des Verkehrs auf dem komplexen Frankfurter Vorfeld nicht zugelassen, erklärte ein Sprecher des bundeseigenen Unternehmens in Langen. Es stünde auch nicht ausreichend Personal zur Verfügung. An kleineren Flughäfen führen die DFS-Lotsen die Jets auch am Boden. 

Vom Arbeitskampf bedroht sind am Donnerstag Hunderte Starts und Landungen am größten deutschen Flughafen. Die am stärksten betroffene Lufthansa forderte umgehend strengere gesetzliche Regeln für kleinere Gewerkschaften in der Verkehrsinfrastruktur. Der beschlossene Streik der Frankfurter Vorfeldlotsen sei ein erneuter Beweis, dass man neue Spielregeln brauche, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. 

Der GdF-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang warnte die Fraport davor, die Sicherheit auf dem Vorfeld zu gefährden, indem nicht qualifiziertes Personal eingesetzt würde. Nicht alle Tätigkeiten könnten von Fachfremden übernommen werden. Die Funker der Vorfeldkontrolle müssten zum Beispiel 50 bis 60 Funksprüche pro Minute verarbeiten. Dazu brauche man Erfahrung. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad der betroffenen Mitarbeiter liege bei mehr als 80 Prozent, sagte Vogelsang.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

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