Strikte Vorgabe: Geld verdienen auf dem hart umkämpften US-Markt
Bei Smart bleiben viele Fragen ungeklärt

Nachdem Daimler-Chrysler vor zwei Monaten bei der hochdefizitären Kleinwagenmarke Smart die Reißleine gezogen hatte, wagte der neue Smart-Chef Ulrich Walker jetzt den ersten Medien-Auftritt in Deutschland. Sein Botschaft hieß „Optimismus für Smart“, aber nach Ansicht von Branchenbeobachtern bleiben noch einige wichtige Fragen offen.

HB UHUNGEN. Etwa, wie es längerfristig um Zukunft des viersitzigen Smart bestellt ist, der sich in einem preislich extrem hart umkämpften Markt behaupten muss. Und ob es der zweisitzige „Ur-Smart“ schaffen kann, tatsächlich die für die Profitabilität notwendigen Stückzahlen zu erreichen.

Walker, ein ausgewiesener Produktionsspezialist und nach vier Jahren beim japanischen Partner Mitsubishi ein ebenso profunder Kenner der Kleinwagenfertigung, betonte vor Journalisten auf Schloss Filseck bei Göppingen, wie wichtig das Klein- und Mikroautosegment weltweit für die Autobranche sei. Allein das Kleinwagensegment werde 2010 rund 50 Prozent des Weltfahrzeugmarktes ausmachen. Da müsse Daimler-Chrysler schon aus strategischen Gründen mit dabei sein.

In der Tat sind allein die Vereinbarungen der Automobilindustrie mit der EU zur Senkung des Flottenverbrauchs ein gutes Argument für eine Kleinwagenflotte in einem Autokonzern. Außerdem sei Mercedes-Benz die erste Wahl, wenn Smart-Kunden zu einer andere Marke wechselten, hieß es. Seit 1998 wurden insgesamt 750 000 Smart verkauft, darunter also einige potenzielle neue Mercedes-Käufer.

Allerdings hat Mercedes-Chef Eckhard Cordes sehr deutlich gemacht, dass Smart nur dann eine Zukunft hat, wenn die Marke endlich profitabel wird. Dass ein völlig neues Auto im ersten Lebenszyklus nicht die hohen Kosten (neue Fabrik, neue Maschinen, Marketing) einspielt, ist normal. Die früheren Smart-Manager hatten aber offenbar auf ein zu stürmisches Wachstum mit immer neuen Produkten gesetzt.

Das Ziel „Profitabilität“ wurde immer weiter verschoben, bis die Aktionäre 2004 erstmals vernehmlich murrten. Walker, im Oktober 2004 als Nachfolger von Andreas Renschler in die Smart-Zentrale in Böblingen eingezogen, verordnete der jungen Marke eine strikte Phase der Besinnung: und zwar auf den in dieser Form einzigartigen kleinen Smart Fortwo. Für rund 700 von 2 150 Mitarbeitern hieß das allerdings auch Abschied nehmen vom alten Arbeitnehmer - immerhin wurde der personelle Aderlass sozial gut abgefedert.

„Der Smart Fortwo ist und bleibt unsere ganz spezielle und Marken prägende Ikone“ betonte Walker am Montag. Im Herbst 2007 kommt ein Nachfolger, der konzeptionell seinem Vorgänger ziemlich ähnlich sein wird. Der soll auch in den USA verkauft werden, das strebt die ganze Smart-Mannschaft an, ist zu hören. Allerdings laute die strikte Vorgabe, dass damit Geld verdient werden muss; nur weil der US-Markt „so aufregend ist“, reicht Walker als Begründung nicht. Der weltweite Markt der viersitzigen Kleinwagen ist allerdings gar nicht aufregend, sondern durch knochenharten Preiswettbewerb geprägt. Ob sich da der hochpreisige Smart Forfour und das Kooperationsprojekt mit Mitsubishi Motors nach Ende des Lebenszyklus in etwa sechs, sieben Jahren fortgeführt wird, ist heute noch offen.

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