Stromausfall in Europa
Eon nimmt Schuld auf sich

Eon hat die Verantwortung für den Stromausfall übernommen, der am Samstagabend Millionen Menschen in ganz Europa im Dunkeln stehen ließ. Damit kratzt ein Jahr nach dem Schneechaos im Münsterland ein neuer Zwischenfall am Ruf der deutschen Energiewirtschaft. Das Desaster kommt für die Stromkonzerne zur Unzeit, müssen sie doch ihre hohen Preise rechtfertigen.

HB BERLIN. „Ich bin besonders dankbar dafür, dass es nicht schlimmer gekommen ist, weil die Ursache bei Eon lag“, sagte Vorstandsmitglied Klaus-Dieter Maubach am Montagmorgen im ZDF. Die Meyer-Werft in Papenburg habe eine neues Kreuzfahrtschiff in die Nordsee auslaufen lassen wollen, deshalb sei eine Hochspannungsleitung über die Ems stillgelegt worden. „Das war im Grunde genommen der Ursprung für diese Versorgungsstörung.“ Die Belastungen hätten auf andere Leitungen verteilt werden müssen, was später zu einer Überlastung geführt habe. Die Bundesnetzagentur untersuche den Vorfall.

Maubach sagte weiter, er sei sich bewusst, dass 10 Mill. Menschen in Europa ohne Strom waren. „Gleichwohl hätte es wesentlich schlimmere Auswirkungen geben können, wenn Europa insgesamt dunkel gewesen wäre und wenn der Zeitraum nicht nur eine Stunde oder anderthalb Stunden gewesen wäre, sondern einen viel längeren Zeitraum überspannt hätte.“ Die europäische Zusammenarbeit habe hervorragend funktioniert.

Für die deutschen Versorger könnte der Stromausfall in der Debatte um hohe Strompreise brisant sein. Schließlich hatten sie in der Vergangenheit das im europäischen Vergleich hohe Preisniveau hier zu Lande unter anderem mit der guten Qualität der deutschen Netze begründet. Kritik von Politikern an angeblich unzureichenden Netzinvestitionen wies Maubach jedoch zurück. „Die Netze sind in einem guten Zustand.“ Die Netze seien, beispielsweise durch die Einspeisung von Windkraftstrom, neuen Herausforderungen ausgesetzt.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) hatten am Sonntag die Energieversorger aufgefordert, die Versorgungssicherheit wie gesetzlich vorgeschrieben zu gewährleisten und die Netze nachzubessern.

Eigentlich hätte der Ausfäll nicht passieren dürfen

Das Netz ist eigentlich dafür ausgelegt, auch größere Störungen abzufangen. Um die nötige Frequenz von 50 Hertz konstant zu halten, sollen im Ernstfall gezielt Kraftwerke hoch- oder herunter gefahren werden. So wollen die Versorger Angebot und Nachfrage permanent im Gleichgewicht halten.

Dieses System ist sogar grenzüberschreitend ausgelegt. Im europäische Stromverbund UCTE soll so selbst der Ausfall von 3 000 bis 4 000 Megawatt – das entspricht der Leistung von drei oder vier Kernkraftwerken – innerhalb von Sekundenbruchteilen abgefangen werden.

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