Studie
Autokonzerne erhöhen Druck auf Zulieferer

Das Geschäft der deutschen Autozulieferer könnte im Zuge des weltweiten Erholung so schön sein. Die sprudelnden Gewinne der Lieferanten wecken allerdings neue Begehrlichkeiten bei den Herstellern – der Preisdruck steigt wieder.
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FRANKFURT. Boom im Premiumsegment, Ergebnisse fast wieder auf Vorkrisenniveau - das Geschäft der deutschen Autozulieferer könnte so schön sein. Doch die wieder sprudelnden Gewinne der Lieferanten wecken nach einer Studie der Mittelstandsbank IKB, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, bereits wieder neue Begehrlichkeiten bei den Herstellern.

Eine Auswertung der aktuellen Zwischenabschlüsse der Lieferanten für das dritte Quartal 2010 zeige, dass einige Hersteller den Preisdruck auf ihre Zulieferer nach Überwindung der Krise wieder erhöhten, sagte Karsten Gerhardt, IKB-Analyst und Autor der Studie. Die Mittelstandsbank erwartet deshalb, dass sich die Erholung der Branche im zweiten Halbjahr 2010 und im kommenden Jahr zwar fortsetzt - allerdings mit verringerter Dynamik. "Der vielfach geäußerten Erwartung, dass die 2010er-Ergebnisse die besten seit langem sein dürften, können wir uns nicht anschließen", betonte Gerhardt.

Der Automobilverband VDA wird die Studie seinen Unternehmen auf der Mitgliederversammlung am Freitag vorstellen. Im Schatten der rasanten Branchenerholung ziehen die großen Autokonzerne demnach bei ihren Lieferanten wieder die Daumenschrauben an. Die Hersteller fordern ihren Teil am überraschend schnellen Aufschwung der Lieferanten ein. Die Ergebnisse der Unternehmen haben laut der Untersuchung der IKB zur Jahresmitte bereits fast wieder Vorkrisenniveau erreicht. Im Fahrwasser der Großkonzerne befindet sich die Branche auf dem besten Weg, über das vor Beginn der Krise erreichte Umsatzniveau hinauszuwachsen.

Bereits im zweiten Quartal 2010 hätten Umsatz und das Vorsteuerergebnis wieder auf Vorkrisenniveau gelegen, heißt es in der Studie. Auch das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach sagt voraus, dass die in den vergangenen zwei Jahren gebeutelten 100 größten Unternehmen der Branche bereits im laufenden Geschäftsjahr das Umsatzniveau von 2008 überschreiten werden.

Die Mittelstandsbank IKB glaubt jedoch, dass die Gewinne nicht Schritt halten werden. Die Kapazitätsauslastung in den meisten Betrieben habe zwar wieder Normalniveau erreicht. Die Überkapazitäten seien aber auch in der Krise bestehen geblieben, da praktisch alle insolventen Unternehmen wieder einen Neustart unternommen hätten. "Dies dürfte schon bald wieder zu massivem Ertragsdruck führen", warnte Gerhardt. Denn der Druck ist schon so gewaltig: Bis zu zwei Prozent Produktivitätssteigerung jährlich brauchen die Zulieferer, um angesichts des harten Preiswettbewerbs im Geschäft zu bleiben.

Die Zulieferer stehen damit vor einem wachsenden Dilemma: Mehr denn je müssen sie im Zuge der Auslandsexpansion der Hersteller Produktion in Übersee aufbauen und dafür kräftig investieren. Aber vor allem für viele Zulieferer in der Kunststoff- und Gummiverarbeitung, die besonders margenschwach sind, werde es schwer, die nötigen Überschüsse zu erzielen, mit denen der Ausbau finanziert werden könne, sagte Gerhardt.

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