Südwestmetallchef
Banken sind "übertrieben risikoscheu"

Südwestmetallchef Stefan Roell ist sauer. Unternehmen hätten in der Kreditkrise gleich "dreimal gezahlt", beklagt der Chef des Metall-Arbeitgeberverbandes im Südwesten. Er ruft die Kreditinstitute dazu auf, ihre "übertriebene Risikoscheu" aufzugeben und endlich den staatlichen Rettungsschirm zu nutzen.

dpa STUTTGART/ULM. "Ich verlange von den Banken, die Marktteilnehmer mit den erforderlichen Krediten auszustatten, um die Wirtschaft auf Wachstumskurs zu bringen. Die Kreditinstitute können so nicht weitermachen", sagte Roell in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Unternehmen hätten Probleme, Kredite zu erhalten oder bestehende zu verlängern. "Es passiert mir in der eigenen Firmengruppe, und ich höre das von vielen Kollegen", sagte der Unternehmer aus Ulm. Insbesondere die Privatbanken seien zurückhaltend. "Das Blut der Wirtschaft ist das Geld, und das muss zirkulieren."

Der Chef des Metall-Arbeitgeberverbandes im Südwesten zeigte sich empört über die Folgen des mangelnden Vertrauens der Banken in das Finanzsystem. "Wir als Unternehmer haben in der Krise dreimal gezahlt: einmal durch die Abwertung unserer Aktien, einmal als Steuerzahler für den Rettungsschirm des Bundes und einmal, weil wir Geschäftschancen nicht wahrnehmen können - das ist wirklich sehr enttäuschend." Auch mögliche Abnehmer der Produkte seiner Branche seien mangels Krediten nicht zu Käufen in der Lage. Notfalls müssten die Banken staatliche Hilfe in Anspruch nehmen. "Wir erwarten, dass der Rettungsschirm genutzt wird, damit die Kreditvergabe für die Realwirtschaft wieder funktioniert."

Für die Metallindustrie rechnet er je nach Auftragsbestand der Unternehmen mit ersten Gewinneinbrüchen jetzt und im ersten Quartal. Bei Spezialmaschinenbauern mit langen Lieferzeiten werde die Abwärtskurve möglicherweise erst zum Jahresende 2009 einsetzen. Konkrete Aussagen über die konjunkturelle Entwicklung seiner Branche im kommenden Jahr lehnte Roell aber ab. "Derzeit wirtschaftliche Prognosen zu stellen, ist ähnlich unsinnig wie vorhersagen zu wollen, ob es im kommenden Jahr weiße Weihnachten gibt."

Die Unternehmen machten regen Gebrauch von Instrumenten, die dazu beitragen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. In manchen Firmen hätten Arbeitnehmer freiwillig über 35 Stunden gearbeitet, deren Arbeitszeit nun auf das tarifliche Maß zurückgesetzt werde. Nur wenige Firmen müssten bereits mit Gehaltsverlust verbundene Arbeitszeitverkürzungen anordnen. "Insgesamt ist da noch viel Luft drin."

Auch der neue Tarifvertrag biete den Unternehmen dringend benötigte Flexibilisierungsmöglichkeiten. "Ein Großteil der Firmen wird die Möglichkeit wahrnehmen, die zweite Stufe der Lohnerhöhung im kommenden Jahr zu verschieben." Roell hatte mit der IG Metall im November in Sindelfingen (Kreis Böblingen) einen Abschluss ausgehandelt, der eine zweistufige Lohnerhöhung von insgesamt 4,2 Prozent vorsieht.

Bei der Kurzarbeit sieht Roell Korrekturbedarf. "Wir sollten die Kurzarbeit für Unternehmen so gestalten, dass es keine eingebauten Hemmnisse gibt. Deshalb sollten die Sozialversicherungsbeiträge auf das Kurzarbeitergeld erlassen werden."

Jobgarantien hält er angesichts der wirtschaftlichen Unwägbarkeiten für unmöglich. "Allerdings sollte es unser aller Ziel sein, die Stammbelegschaft zu halten." Er erwarte auch Entgegenkommen der Betriebsräte, die sich vor allem in kleinen und mittelständischen Firmen bislang kooperativ zeigten. Lediglich in einigen großen Unternehmen gebe es Reibereien zwischen Arbeitnehmervertretern und Geschäftsführung über Reihenfolge, Anwendung und Umsetzung der Instrumente für die Jobsicherung.

Roell lobte das Konjunkturprogramm der Bundesregierung. Ferner halte er Steuer- und Abgabensenkungen für besser als Konsumgutscheine. "Denn jeder sollte selbst entscheiden können, wofür er sein Geld ausgibt."

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