Syngenta
Heikle Ware

Eigentlich ist Syngenta gerade mitten in der Wachstumsphase. Doch nun hat die US-Börsenaufsicht den Schweizer Agrarchemiekonzern auf ihre „schwarze Liste“ gesetzt. Zudem wollen EU-Richter den Verkauf von Syngentas Unkrautvernichtungsmittel Paraquat in Europa verbieten. Die beiden Nachrichten könnten schnell zu einer Missernte führen.

ZÜRICH. Eigentlich hatte Syngenta einen guten Lauf: Der Schweizer Agrarchemiekonzern, Weltmarktführer im Pflanzenschutz und einer der großen Saatgutproduzenten, fuhr zuletzt mit 872 Mill. Dollar einen Rekordgewinn in die Scheune ein. Mit dieser soliden Ernte im Rücken ging der im Jahr 2000 aus dem Zusammenschluss des Agrochemiegeschäfts von Novartis und Astra-Zeneca hervorgegangene Konzern shoppen: Die Basler erwarben jüngst den israelischen Gemüsesaatgut-Anbieter Zeraim Gedera, im März hatten sie den deutsche Blumenzüchter Fischer übernommen. Seit Mai steht eine Minderheitsbeteiligung beim chinesischen Saatgut-Anbieter Sanbei Seed in der Bilanz.

Dazu hilft die Klimawandel-Diskussion: Syngenta entwickelt Enzyme, mit deren Hilfe sich Biotreibstoffe herstellen lassen. Gesellschaften, die in diesem Bereich eine führende Rolle spielen, sind für Anleger interessant. Eine Studie der Credit Suisse attestiert dem Düngemittelhersteller nicht zuletzt deswegen große Ertragschancen. Die Rating-Agentur Standard & Poor's setzte sogar die kurz- und langfristige Krediteinstufung für Syngenta auf einen Spitzenwert hinauf.

In den vergangenen Tagen allerdings kamen Nachrichten, die das Zeug dazu haben, dem abtretenden Syngenta-Chef Michael Pragnell, der im Dezember die Geschäfte an seinen internen Nachfolger Mike Mack übergibt, die Laune doch noch zu verhageln. Auslöser war zunächst die US-Börsenaufsicht SEC. Sie setzte Syngenta auf die schwarze Liste derjenigen Unternehmen, die mit Ländern wie Kuba, Syrien, den Sudan und Iran sowie Nordkorea Handel treiben und damit nach amerikanischer Definition „staatliche Financiers des Terrorismus“ unterstützen. Während sich Syngenta in diesem Fall damit trösten konnte, nicht allein am Pranger zu stehen, ist ein EU-Richterspruch vom Mittwoch nicht vom Tisch zu wischen. Das europäische Gericht entschied in erster Instanz, dass das von Syngenta hergestellte Unkrautvernichtungsmittel Paraquat in der EU nicht länger verkauft werden darf. Bei unsachgemäßer Anwendung könne Paraquat, das in Europa rund eine halbe Million Bauern einsetzen, Menschen gefährlich werden.

Beide Nachrichten, die SEC-Aktion und das Urteil, treffen den Konzern an einer empfindlichen Stelle. Es geht um den guten Ruf. Unkrautvernichter und Genpflanzen sind reputationsmäßig sowieso eine heikle Ware. Wenn nun auch noch offizielle Stellen Syngenta mangelndes Fingerspitzengefühl vorwerfen, kann das schnell zu einer Missernte führen, die in der Bilanz Spuren hinterlässt.

Dazu kommt, dass Paraquat zwar wenig zum Umsatz beitragen dürfte, die Sparte der Herbizid-Herstellung aber auf gar keinen Fall in Mitleidenschaft gezogen werden darf. Auf sie nämlich muss Syngenta setzen. Hier ist das Unternehmen Weltmarktführer, während es bei Saatgut angesichts der Dominanz des US-Giganten Monsanto im wichtigen Maisgeschäft bereits Marktanteile verliert. Laut einer Studie der US-Investmentbank Merrill Lynch schaffen es Monsanto und Töchterunternehmen dieses Jahr, ihren Marktanteil auf ein Drittel zu erhöhen, während Syngenta auf unter zehn Prozent abrutschen dürfte. Die Basler selber rechnen damit, dass sie ihren Marktanteil von derzeit zwölf Prozent immerhin halten können. Wie das Szenario auch aussieht – klar ist, dass Syngenta beim Saatgut einer stärkeren Konkurrenz gegenübersteht als beim Pflanzenschutz. Um so ärgerlicher ist es, jetzt durch die EU-Richter einen Dämpfer versetzt zu bekommen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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