Tegel-Debatte
Ryanair fordert dritten Flughafen für Berlin

Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat den Berliner Senat aufgefordert, mit Planungen für einen weiteren Flughafen zu beginnen – neben dem BER/Schönefeld und dem Flughafen Tegel.
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BerlinSein Unternehmen gehe davon aus, dass das Passagieraufkommen in Berlin bis zum Jahr 2050 auf mehr als 90 Millionen Reisende steigt, sagte Ryanair-Manager Kenny Jacobs dem Tagesspiegel am Dienstag. 2016 wurden in Tegel und Schönefeld 33 Millionen abgefertigt. „Der Senat soll sich lieber Gedanken über den Bau eines dritten Flughafens machen“, regte er an.

Mit steilen Thesen und schrägen Forderungen hatte man bei Ryanair noch nie ein Problem. Irgendetwas müssen diese Iren aber richtig machen: Sie befördern mittlerweile so viele Fluggäste wie keine andere Airline in Europa – und sie schreiben satt schwarze Zahlen. Michael O’Leary, der Chef der irischen Billigfluggesellschaft, gilt als der schillerndster Vertreter seiner Branche. Und Marketing-Chef Kenny Jacobs, der am Dienstag aus der Dubliner Zentrale nach Berlin geflogen ist, um hier Gespräche über die Flughäfen zu führen, steht ihm in kaum etwas nach.

Die Planungen für den BER seien völlig falsch gewesen, weil man den Passagierzuwachs absolut unterschätzt hat, kritisierte Jacobs. Schon heute liegen Tegel und Schönefeld zusammen um sechs Millionen Passagiere über der Startkapazität des neuen Airports. Schon bis 2030 werde das Volumen von derzeit 33 auf mehr als 50 Millionen Fluggäste im Jahr steigen. Das könne der neue Flughafen allein nicht verkraften. „Deshalb unterstützen wie gemeinsam mit den meisten Low-Cost-Carriern das Bürgerbegehren zum Weiterbetrieb von Tegel“, so Jacobs.

Am Dienstagabend sprach der Manager auch vor Gästen beim Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Mit Berlins FDP und CDU, die Tegel befürworten, sei man im Gespräch, berichtete er. Dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), dessen rot-rot-grüner Senat auf der Schließung des Flughafens beharrt, habe Ryanair die Auffassung zumindest schriftlich erläutert. Allein seine Gesellschaft wurde ihr Passagiervolumen in Berlin gerne auf mehr als zehn Millionen Reisende im Jahr verdoppeln, betont Jacobs. Das sei am BER allein nicht möglich.

Dem Senat wirft Jacobs vor, noch „wie im vergangenen Jahrhundert“ zu denken. Berlin sei eine „großartige europäische Stadt“ und die Besucher aus aller Welt würden nicht verstehen, warum die Metropole nicht auch – so wie alle anderen Hauptstädte – das Luftverkehrs-Drehkreuz ihres Landes sei. Die Hubs in Frankfurt und München seien noch ein westdeutsches Relikt aus Mauerzeiten, an deren Erhalt nur die Lufthansa interessiert sei. Berlin bräuchte viel mehr Verbindungen, auch für Langstrecken.

Jacobs verwies auf die wirtschaftlichen Faktoren. In Tegel könnten 12.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze erhalten bleiben und müssten nicht an den BER verlegt werden, wo somit rund 15.000 zusätzliche Jobs entstehen könnten. Und der nur mit zwei bis drei Flughäfen mögliche Zuwachs an Berlin-Besuchern würde Hotels, Gaststätten, Taxifahrern und dem Einzelhandel einen Mehrumsatz von bis zu drei Milliarden Euro im Jahr bringen, rechnete er vor.

So unterstützt Ryanair das Bürgerbegehren und ist überzeugt davon, dass es Erfolg haben wird. „Die Berliner werden mit dem Kopf abstimmen und nicht mit dem Ohr“, hofft Kenny Jacobs im Hinblick auf die Fluglärm-Argumente der Tegel-Gegner. Die juristischen Argumente lasse er nicht gelten. Wenn ein Wille da ist, sei es auch möglich, den Schließungsbeschluss aufzugeben. Spannend werde es, wie der Senat mit einem Votum für Tegel umgehe, ob er es wirklich wage, den Bürgerwillen zu ignorieren.

Nicht nur in Berlin, in ganz Deutschland setzt Ryanair weiter auf Wachstum. Derzeit hat die größte europäische Fluggesellschaft hier einen Marktanteil von acht Prozent. Doch wenn Air Berlin weiter schrumpfe, könne man schon im kommenden Jahr das gesetzte Ziel erreichen, zweitgrößte Airline auf dem deutschen Markt zu werden, sagt Jacobs. Eine Beteiligung an Air Berlin zwecks Sicherung von deren Streckenrechten schloss Jacobs indes aus. Man sei auch so in der Lage, in Deutschland zu wachsen. Und auch im expandierenden Lufthansa-Billigflieger Eurowings sehe man in Dublin keine Konkurrenz für Ryanair. Der sei eher ein Mid-Cost- als ein Low-Cost-Carrier und betreibe eine andere Streckenpolitik. Nachdem man sich auf der Route zwischen Berlin und Köln/Bonn einen Wettbewerb liefert denkt Ryanair nicht an weitere innerdeutsche Verbindungen sondern an eine Expansion auf grenzüberschreitenden Strecken.

Der Brexit dürfte dies noch beschleunigen. Seit dem Beschluss der Briten, die EU zu verlassen, hat Ryanair dort auf die geplante Stationierung weiterer Flugzeuge verzichtet. Fünf bis zehn zusätzliche Maschinen stehen damit zusätzlich in Deutschland zur Verfügung. So wächst die am neuen Standort Frankfurt stationierte Flotte ab September von zwei auf neun Jets. Wenn es zu keinem Open-Sky-Abkommen zwischen der EU und Großbritannien kommt werden noch mehr Kapazitäten für den kontinentaleuropäischen Markt verfügbar, kündigt Jacobs an. Denn derzeit erhält Ryanair wöchentlich ein neues Flugzeug.

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  • B wie Berlin oder Balkan, ist ungefähr das selbe. Täglicher Verkehrsinfarkt, überfüllte Strassen und ÖPNV. Dazu dreckig und stinkend.
    Und dann das Thema Flughafen, ja Wahnsinn.
    Mit der Kommunisten Regierung wird´s sicherlich nicht besser. Ryanair hat deutlich offengelegt, was Sinn macht.

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