Tesla-Chef Musk reagiert auf Handelsblatt-Interview
„Yo, ich hasse Apple nicht“

Tesla-Chef Elon Musk wird kritisiert, weil er Apple in einem Handelsblatt-Interview als „Tesla-Friedhof“ für gefeuerte Angestellte bezeichnete. Dabei stolperte der Visionär über seinen ungewöhnlichen Humor.

DüsseldorfMan muss sich Tesla-Chef Elon Musk als einen humorvollen Menschen vorstellen. Wer dem Twitter-Account des Visionärs folgt, weiß, dass der Tesla-Chef mit seinen Späßen gerne mal über das Ziel hinaus schießt. Ein paar Monate posierte der Milliardär auf seinem Profilbild wie Bond-Bösewicht Ernesto Blofeld oder Dr. Evil aus der Bond-Parodie "Austin Powers". Es ist genau dieser Humor, der den Tesla-Chef und Paypal-Gründer so unberechenbar macht: Musk ist zwar ein wenig größenwahnsinnig, aber immer mit einem Schuss Selbstironie.

Ähnlich präsentierte sich der Elektroauto-Pionier auch im Interview mit dem Handelsblatt als wir ihn Ende September in Berlin trafen. Es sollte ein Gespräch über die Deutschen und ihr schwieriges Verhältnis zum Elektroauto werden. Musk plauderte locker und gelöst, lachte häufig. Am Ende fragten wir, was er von Gerüchten um Apples Autoprojekt „Titan“ halte – und rechneten fest mit folgender Antwort: „Es ist gut, dass Apple in das Autos investiert. Wir freuen uns über jeden neuen Wettbewerber, der Elektroautos baut.“ So oder so ähnlich lautet die Standardantwort von Musk auf derlei Fragen. Doch dann passierte etwas, womit wir nicht gerechnet haben.

Musk lästerte offen über den Konkurrenten, vor allem über die Apple Watch. Dann erklärt er, warum es viel komplizierter ist, ein Auto zu bauen als ein Smartphone oder ein Tablet. Apple brauche dringend wieder ein visionäres Produkt.

Als wir den Tesla-Gründer dann darauf ansprachen, dass Apple einige Ingenieure abgeworben habe, kratzte das offenbar am Selbstbewusstsein. Und so sagte Musk jene Sätze, die am Wochenende um die Welt gingen. „Apple hat keine wichtigen Ingenieure abgeworben. Sie haben Ingenieure eingestellt, die wir gefeuert haben.“ Aufgestachelt vom allgemeinen Gelächter im Raum, legte Musk noch einen drauf. „Wir nennen Apple den ‚Tesla-Friedhof‘“. Das sagt er zweimal. Wieder Gelächter. Musk selbst fand diese Formulierung offensichtlich so treffend, dass er sie bekräftigte: „Kein Scherz.“ Eine kurze Pause entstand, unser Blick wanderte zu seinen PR-Beratern, die hinter uns saßen. Musk schaute uns an und ergänzte den einzigen Satz, der hinterher nicht im Interview auftaucht: „You can quote me on that. - Damit können Sie mich zitieren“

Und so standen seine Zitate auch im Interview, das Ende September im Handelsblatt veröffentlicht wurde. Damit hätte die Geschichte fast ihr Ende gefunden.

Doch am vergangenen Freitag – ganze zwei Wochen später – erreichte eine übersetzte Version des Interviews in der Handelsblatt Global Edition die internationale Presse: Financial Times, Guardian, Time Magazine und CNBC berichteten. Etliche Technologie-Blogs griffen die Meldung auf und spitzen die Zitat immer weiter zu. Elons flapsige Bemerkungen im Handelsblatt-Interview verbreiteten sich in Russland, China, Indien und Vietnam. Mehrere zehntausend Mal wurden die Artikel auf Facebook und Twitter geteilt – und wurden so weltweit bekannt. Die Tesla-Aktie sackte um 2,6 Prozent ab. Immer lauter wurde die Kritik, vor allem in der der Apple-Fangemeinde. Denn Tesla und Apple gelten beide als Ikonen der digitalen Boheme. Einige sahen Musk schon in einer Reihe mit Steve Ballmer, jenen Microsoft-Chef der sich in einem legendären Interview über das iPhone lustig gemacht hatte, bevor es zum Riesen-Erfolg wurde.

Am Samstag fühlte sich Musk darum bemüßigt, selbst über Twitter Stellung zu nehmen. „Yo“, begann der Tesla-Gründer seinen Post, „ich hasse Apple nicht.“ Im Gegenteil, erklärte Musk, er halte den Konkurrenten für eine großartige Firma mit vielen talentierten Mitarbeitern. Er liebe die Apple-Produkte und sei froh, dass sie nun Elektroautos bauen. Auch seine Kritik an der Apple Watch entschärft Musk mit einem weiteren Tweet – zumindest ein bisschen. Das Design der Apple Watch sei gelungen. Funktional sei sie noch nicht. Das werde sich bestimmt mit der nächsten Generation ändern.

Doch ganz so einfach dürfte Musk seine humorvollen Querschläge aus dem Handelsblatt-Interview nicht loswerden. Ob das den Visionär am Ende interessiert? Wahrscheinlich nicht. Schon wenige Stunden nach der Entschuldigung kündigte er an, dass am Donnerstag die neuste Version der Telsa-Software online gehen werde. Jemand, der wie Musk in der Zukunft lebt, kümmert sich eben nicht allzu lange um sein Geschwätz von gestern.

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