Trevira
Deutsches Nylon, indisches Geld

Die Wirtschaftswunderzeiten sind vorbei in Deutschland. Doch Trevira aus Bobingen ist nach wie vor Weltmarktführer bei Polyesterfasern für schwer entflammbare Textilien mit Werken in Deutschland. Der Faserhersteller floriert, weil der Bombayer Mischkonzern Reliance seit 2004 Know-how beisteuert.

BOBINGEN. Wie ein Monolith ragt der Kamin aus dem Ländle raus. „Trevira“ steht in weißen Lettern auf rotem Backstein. Am Fuße des Wahrzeichens der Kleinstadt Bobingen im bayrischen Schwaben entwickelte 1946 Professor Paul Schlack die Kunstfaser Perlon. Eine Pioniertat. Das „deutsche Nylon“ umhüllte als Feinstrumpf die Fesseln der Damen im Wirtschaftswunder. Trevira wurde zur Marke.

Die Wirtschaftswunderzeiten sind vorbei in Deutschland. Auch bei Trevira. Doch der Kamin und das Forschungslabor sind weder Industriedenkmal noch Museum, sondern in Betrieb – auch im Jahr zwei nach der Übernahme durch den Mischkonzern Reliance Industries. 2004 hatten die Inder die einstige Textilfasersparte der Hoechst AG für 80 Mill. Euro gekauft – und seitdem entgegen vieler Befürchtungen weder ausgesaugt noch abgebaut.

Trevira ist nach wie vor Weltmarktführer bei Polyesterfasern für schwer entflammbare Textilien mit Werken in Deutschland, Belgien, Dänemark und Polen. 2 000 Menschen erwirtschafteten 2005 rund 309 Mill. Euro Umsatz. Und 2006, zum 50. Geburtstag soll sich Trevira selbst das schönste Geschenk machen – und wieder profitabel arbeiten.

„Reliance globalisiert zurück“, „Nachhilfe vom Inder für deutsche Trevira“ – lauteten die Schlagzeilen im Juli 2004. Die Belegschaft erwartete nicht viel vom neuen Eigentümer aus Bombay – war Reliance doch nach dem indonesischen Konzern Multikarsa und Deutsche Bank Investor (DBI) der dritte Eigentümer in Folge. Kurze Intermezzi von zwei und vier Jahren, die Trevira nicht weiterbrachten. Investiert hatte selbst Hoechst zuletzt nicht mehr. Rot war bei Trevira 2004 längst nicht mehr nur die Farbe des Markennamens, sondern auch die der Bilanz.

Wie wird Trevira restrukturiert? Wie ergänzen sich die Gegensätze der Bombay-Bobingen-Connection? Masse trifft auf Klasse, Konzernmanagement auf Familienbande, Chicken-Curry auf Schweinsbratwürstli. Ein Besuch im Stammwerk.

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