Trotz niedriger Preise beim Bordeaux
Champagner-Hersteller verweigern Preissenkungen

Der Champagner fließt nicht mehr in Strömen. Doch trotz Wirtschaftskrise und Verkaufseinbruch wollen die Hersteller ihre Preise nicht senken, denn sie befürchten sonst einen Verfall ihres Prestiges.

PARIS. Häuser wie Moët Chandon, Bollinger und Krug hoffen, dass sie die Krise ohne erheblichen Preisverfall überstehen können. "Das ist eine Imagefrage", heißt es bei Bollinger. Und seien die Preise erst gesunken, werde es schwer, sie wieder anzuheben. Die günstigen Champagner werden aber auf Druck der Händler schon längst billiger angeboten.

Die Absatzzahlen sind allerdings katastrophal. Innerhalb der ersten zwei Monate dieses Jahres sank das Absatzvolumen im Vergleich zum Vorjahrszeitraum um 34 Prozent. Für das gesamte Jahr 2008 musste die Champagne ein Minus von 4,8 Prozent verbuchen. Vorher verzeichnete das prickelnde Luxusgetränk seit 2003 jedes Jahr Zuwachsraten von zwei bis über fünf Prozent. Doch die Zeiten des Luxus sind vorbei. Innerhalb von Europa sanken die Bestellungen in den zwei Monaten um 47 Prozent, weil vor allem im Hauptabsatzland des Champagners, in England, weniger getrunken wird. "Es ist dort durch die Wirtschaftskrise politisch inkorrekt geworden, Champagner zu bestellen", kommentiert der Champagnerverband CIVC.

Aber auch die USA und die Schweiz nehmen erheblich weniger Champagner ab. Selbst in seiner Heimat Frankreich ist der edle Tropfen 23 Prozent weniger gefragt. In vielen Ländern gibt es wie in England deshalb Schnäppchen-Angebote auf Druck der Händler. Doch dabei wollen die großen Häuser nicht mitspielen.

Bei Krug und Bollinger lautet die Ablehnung ähnlich: "Wir haben keinen dringenden Kapitalbedarf und unsere Verschuldung ist gering." Bei Moët Chandon will man sich nicht drängen lassen. Christophe Navarre, Chef der LVMH-Tochter Moët Hennessy, sagt: "Gerade in Krisenzeiten gewinnt man Marktanteile. Man muss mehr für Werbung ausgeben." Die großen Häuser haben deshalb eine andere Werbestrategie als das Preisdumping. Sie geben Gratisflaschen, damit Aufträge oder Werbung in Verkaufskatalogen erhalten bleiben. "Diese Zugeständnisse fallen weniger auf als Preissenkungen", heißt es beim CIVC.

In der Region um Bordeaux wird anders mit der Krise umgegangen als in der Champagne. Dort sind Preisnachlässe sogar für die edelsten Tropfen kein Tabu. Weinexperten rechnen allgemein mit Senkungen von 50 Prozent, weil der Absatz der Bordeauxweine seit dem Herbst fast völlig zum Stillstand gekommen ist und zudem Spekulanten ihre Luxusweine verkaufen. So wird der Jahrgang 2008 des Château Angélus, Premier Grand Cru aus dem Weinanbaugebiet Saint-Emilion, den Händlern 41 Prozent billiger angeboten als der Jahrgang 2007, für 50 Euro statt 85 Euro. Für den Kunden dürfte sich das in einem Preis von 85 Euro statt 150 Euro niederschlagen. Angélus-Eigner Hubert de Boüard hält ein starkes Signal für notwendig: "Der Markt der Bordeauxweine ist ernsthaft in Gefahr."

Damit geht er auf den Preis von 2004 zurück. Seitdem waren die Grand Crus durch Spekulation stark im Wert gestiegen. Doch selbst zum Schnäppchenpreis war die Nachfrage nur spärlich. Das berühmte Weingut Château Latour hat deshalb seinen Preis für den Jahrgang 2008 halbiert, das bedeutet auf 110 Euro Händlerpreis pro Flasche. Preissenkungen in der Größenordnung halten Weinexperten in der Krise für sinnvoll.

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