TV-Kritik Jauch
ADAC liegt „wirklich am Boden“

Betont demütig hat sich ADAC-Präsident Meyer bei Günther Jauch einer Menge Kritik gestellt. Damit überstand er die Sendung erstaunlich unfallfrei. Allerdings sind ihm viele heikle Fragen auch erspart geblieben.
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BerlinNicht nur gut 19 Millionen Deutsche sind Mitglied beim ADAC, Günther Jauch ist es auch, wie er am Sonntagabend sagte. In seiner Talkshow stellte sich der Präsident des Automobil-Clubs „erstmals im Fernsehen“ der seit Wochen wogenden Kritikwelle. Peter Meyer saß zunächst mit bleichem Gesicht und ADAC-gelber Krawatte sichtlich angespannt auf dem Ledersessel in der Runde „Totalschaden ADAC – was ist das für ein Pannenverein?“.

Er konnte sich aber bald entspannen. Denn auch wenn Jauch die Latte anfangs hochlegte – vor den jüngsten Enthüllungen seien nicht nur Organisationen wie Greenpeace, sogar die Kirchen „vor Neid erblasst“ angesichts der „Glaubwürdigkeitswerte“ des ADAC – wirklich schlimm kam es nicht für Meyer.

Der sichtlich nicht Talkshow-gestählte Vereinschef legte mit einer Feuerwerk der Selbstkritik los (er sei „tief betroffen von den Skandalen“, „wir liegen wirklich am Boden“, der Club nehme Kritik „mit Demut entgegen“ ...). Anschließend kam er mit seiner Linie, dass vieles „dem ehrenamtlichen Präsidium so nicht bekannt“ gewesen sei, sowie mit routinierten Erklärungen althergebrachter Club-Prinzipien so unfallfrei durch die Sendung, dass Jauch ihm am Ende bescheinigte, sein Auftritt sei „aller Ehren wert“ gewesen.

Heikle Fragen nach Rettungshubschrauber-Flügen wurden allerdings gar nicht gestellt. Heftige Kritik der anwesenden Journalisten kam erst in der zweiten Sendungshälfte auf: „Sie sind inzwischen ein Riesenkonzern, haben aber keine Konzernstruktur“, sagte Uwe Ritzer, einer der Redakteure der „Süddeutschen Zeitung“, der als erster über die Probleme berichtet hat. Der ADAC sei „vollkommen intransparent“ und habe eine „unglaubliche Nähe zur Industrie“, der Automobil-, Finanz- und Versicherungswirtschaft, entwickelt.

Als Verein werde der ADAC „nicht mehr zu halten sein“, so werde er künftig wohl „sehr viel höhere Steuern“ auf die gewerblichen Dienstleistungen zahlen müssen, von denen er eine Menge anbietet, prophezeite die Wirtschaftspublizistin Margaret Heckel. Der Club mache „jede Menge Provisionsgeschäfte“, die Geschäftszahlen der ADAC-Beteiligungs GmbH aber würden nirgend veröffentlicht, beklagte der wohl am häufigsten im deutschen Fernsehen auftretende Automobilwirtschafts-Experte, Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Fünfter Gast der Talkrunde war der dritte Journalist darin: Franz W. Rother, stellvertretender Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“ (Verlagsgruppe Handelsblatt), sah ebenfalls den Rückhalt der Politik schwinden, brachte das aber auch mit dem Eintreten des ADAC gegen die Pkw-Maut für Ausländer in Verbindung, die der neue Verkehrsminister Alexander Dobrindt unbedingt einführen möchte.

Tatsächlich war bemerkenswert, dass kein einziger Politiker in dieser Jauch-Runde saß. Vertreter der Bundesregierung hätten angesichts der Millionen ADAC-Mitgliedern doch noch immer Angst, etwas Falsches zu sagen, vermutete Dudenhöffer. Die implizite Frage, ob der alles andere als fernsehscheue Dobrindt oder andere Politiker denn eingeladen worden waren, beantwortete Jauch allerdings nicht.

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„Beim ADAC gibt es nicht mal einen Treppenlift“

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  • Ich frage mich, weshalb man nur auf dem ADAC (berechtigt) herumhackt und sich nicht Gedanken über ähnliche Fälle macht. Mir kommt da das Deutsche Rote Kreuz e.V. in den Sinn.

  • Geht mal auf die Webseite des ADAC und gebt dort in der Suche "Ehrliche Tests" ein.
    Ergebnis: 0 Treffer ;-)

  • Bei vermuteten 1,8 Mio. Mitgliedern sind 5.000 ja nicht mal 0,3%

    (Und nein, es sind nicht 18 Mio Mitglieder. Zahlen vom ADAC sind immer durch 10 zu teilen.)

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