Überbrückungsfinanzierung fraglich
Gericht verschafft Schieder Atempause

Das Schicksal des von der Insolvenz bedrohten größten europäischen Möbelherstellers, der Herforder Schieder-Gruppe, ist nach Angaben von Arbeitnehmervertretern weiter offen. Das Unternehmen hat im Kampf ums Überleben aber Zeit gewonnen.

SCHIEDER-SCHWALENBERG. Das Detmolder Insolvenzgericht habe einen Sachverständigen eingesetzt, der sich einen Überblick über das Unternehmen verschaffen solle, bestätigte am Dienstag ein Gerichtssprecher. Dies verschaffe Geschäftsführung und Geldgebern eine Frist für weitere Verhandlungen. Eine Entscheidung solle aber noch in dieser Woche fallen. Ein Unternehmenssprecher begrüßte dies.

Eine Überbrückungsfinanzierung sei noch nicht in trockenen Tüchern, sagte ein Vertreter der IG Metall Detmold nach einer Betriebsversammlung. Ursprünglich sollte bereits am Montag eine Vereinbarung mit den Kreditgebern getroffen werden.

Rund 300 Beschäftigte protestierten vor einer Filiale der Deutschen Bank in Detmold, weil das Geldhaus die Finanzierung blockiere. Noch am Nachmittag sollten beim Amtsgericht Detmold Gläubiger, Management und Arbeitnehmervertreter zum Insolvenzantrag gehört werden. „Die Zeit ist knapp“, warnte der Vertreter der örtlichen IG Metall. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, das Geldhaus habe bereits am Montag „einen Vorschlag im Interesse der Gesellschaft“ gemacht. „Alles andere muss man abwarten“, fügte er hinzu. Bisher gibt es allerdings noch keine Entscheidung über die Einleitung eines offiziellen Insolvenzverfahrens mit der Einsetzung eines Insolvenzverwalters.

Nach Handelsblatt-Informationen aus den mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen hatten fast alle Mitglieder des kreditgebenden Banken-Konsortiums unter Führung der Investmentbank Goldman Sachs bereits am Montag der Überbrückungsfinanzierung zugestimmt. Allein zwei kleinere Institute hätten ihr sich noch gesträubt. Ein Sprecher von Schieder wollte sich zu den Verhandlungen nicht äußern.

Wie aus dem Geschäftsbericht 2005 hervorgeht, der dem Handelsblatt vorliegt, litt das Unternehmen zuletzt unter den stark gestiegenen Einkaufspreisen. Obwohl der Umsatz um 3,5 Prozent auf 904 Mill. Euro sank, verringerte sich der Wareneinsatz, der über die Hälfte der Betriebskosten ausmacht, nur um zwei Prozent.

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