Überlebenskampf des Autobauers
Opel sucht mit Hochdruck nach Investoren

Der Autobauer Opel will sich dringend von seinem Mutterkonzern General Motors lösen. Nach Angaben aus dem Unternehmen und der Politik gibt es bereits Gespräche mit Investoren. Man sei in Kontakt mit Staatsfonds und Private-Equity-Firmen, sagte GM-Europa-Chef Carl Peter Forster dem Spiegel. Wie ernsthaft deren Interesse ist, ist allerdings fraglich.

HB FRANKFURT. Zur Rettung von Opel haben Management und Politik ihre Suche nach einem Investor forciert. Nach Aussage von GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster gibt es Interessenten für eine Beteiligung an einem neuen Autobauer, in dem die europäischen Aktivitäten des Mutterkonzerns General Motors gebündelt werden. "Wir reden darüber mit Interessenten aus der Private-Equity-Branche und mit Staatsfonds beispielsweise", sagte Forster dem "Spiegel". Der Bochumer Opel-Betriebsrat Rainer Einenkel ergänzte in der ARD: "Diese Gespräche finden statt und sie werden auch von uns wohlwollend begleitet. Wir wissen auch von Investoren, die sich konkret gemeldet haben, dass sie auch ins Gespräch einsteigen wollen."

Unterdessen umwirbt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) nach einem Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" Abu Dhabi als möglichen Investor für Opel. Bei einem ersten Sondierungsgespräch zwischen Rüttgers und einem hohen Mitglied der Königsfamilie sei ein mögliches finanzielles Engagement erörtert worden, schreibt das Blatt. Ein Regierungssprecher bestätigte, dass es auf Initiative eines privaten Unternehmers ein vertrauliches Gespräch zwischen Rüttgers und Scheich Hamdan gegeben habe. Dabei sei es aber ganz generell um mögliche Investitionen der Araber in Firmen aus NRW gegangen.

Unklare Vermögenslage erschwert Gespräche

Schwierigkeiten bei der Investorensuche könnte die unklare Vermögenslage bei Opel bereiten. Nach einem Bericht des "Focus" hat GM neben den Opel-Patenten, die als Sicherheiten für Milliardenhilfen an die US-Regierung abgetreten wurden, auch alle Opel-Standorte an die Banken verpfändet. "Opel ist nur eine Hülle", zitierte das Magazin ein Mitglied der Bundesregierung. Der traditionsreiche Autobauer habe keinerlei Vermögenswerte, und GM darauf auch keinen Zugriff mehr. Ein Opel-Sprecher machte deutlich, dass es Teil der Verhandlungen sei, so etwas zu klären. "Wir gehen davon aus, dass diese Fragen ganz schnell positiv beantwortet werden", sagte er.

Opel sucht dringend einen Investor, um sich von der ums Überleben ringenden US-Mutter GM teilweise zu lösen. Erst am Dienstag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch im Stammwerk Rüsselsheim Staatsbürgschaften für einen privaten Geldgeber in Aussicht gestellt, eine Staatsbeteiligung aber abgelehnt. Opel produziert in Deutschland zudem in Bochum, Eisenach und Kaiserslautern.

Unterdessen warnte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor einer weiteren Debatte über Staatsbeteiligungen bei Opel. Ihm sei völlig unverständlich, wie solche Aussagen getroffen werden könnten, ohne das Opel bisher eines der geforderten Kriterien erfüllt habe, sagte Guttenberg im bayerischen Kloster Banz. "Diejenigen, die jetzt dem Staatseintritt das Wort reden, und zwar auch an Beteiligungen das Wort reden, schwächen die Verhandlungsposition von Opel, von General Motors und von Deutschland", warnte der CSU-Politiker. Er übte damit indirekt Kritik an Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, der mehrfach für einen Staatseinstieg bei Opel plädiert hatte, falls kein Investor gefunden wird.



Forster: "Opel-Produktion bei GM-Insolvenz nicht gefährdet

Die Produktion von Opel sieht Forster auch bei einer möglichen Insolvenz von GM nicht gefährdet. "Unsere Produktion und den Verkauf von Autos in Europa würde es nicht betreffen", sagte der GM-Europe-Chef. Die US-Regierung hatte kürzlich dem US-Autobauer bis Ende Mai Zeit gegeben, seinen Sanierungsplan nachzubessern. Forster räumte jedoch ein, dass ein Insolvenzverfahren in den USA Autokäufer in Europa "verunsichern" könnte. Er schlug daher vor, dass europäische Staaten notfalls für die Garantieversprechen des Herstellers einstehen sollten. Damit könnte man "potenziellen Kunden für kurze Zeit mögliche Unsicherheiten nehmen". Unterdessen arbeitet Opel nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" an einer Neuausrichtung mit Schwerpunkt auf Kleinwagen und emissionsarme Antriebe. Mit bezahlbaren Elektroautos sollten die Rüsselsheimer eine weltweit führende Rolle einnehmen.

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