Übernahme der ICI-Sparte geplant
Henkel will vier Milliarden für Kleber zahlen

Für die geplante Stärkung seiner Klebstoffsparte muss der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern Henkel tief in die Tasche greifen. Den Börsianern scheint der Preis allerdings recht hoch zu sein.

HB DÜSSELDORF. Henkel wolle im Falle der Übernahme des Chemiekonzern ICI durch den Konkurrenten Akzo Nobel rund 2,7 Mrd. Pfund (knapp vier Mrd. Euro) für Teile der ICI-Tochter National Starch mit einem Umsatz von fast zwei Mrd. Euro zahlen, teilte das Düsseldorfer Unternehmen am Montag mit. „Den vereinbarten Kaufpreis erachten wir für sehr angemessen, da die neuen Geschäfte unser Portfolio hervorragend ergänzen“, betonte Henkel-Chef Ulrich Lehner. Möglicherweise müssen sich die Aktionäre auf eine Kapitalerhöhung einstellen, damit Henkel die Übernahme stemmen könnte.

Ob Henkel bei ICI tatsächlich zum Zuge kommt, ist indes noch offen. Denn dazu muss der mit Henkel verbündete niederländische Chemiekonzern Akzo Nobel ICI zunächst schlucken und das begehrte Klebstoffgeschäft an Henkel weiterreichen. Bisherige Offerten hatte ICI abgelehnt. Akzo stockte seine Offerte für ICI auf acht Mrd. Pfund (11,8 Mrd. Euro) auf. Das „Wall Street Journal“ berichtete, die ICI-Führung habe diesem Angebot vorläufig zugestimmt. Henkel hatte sich in dem Übernahmepoker kürzlich auf die Seite von Akzo geschlagen.

Die Henkel-Aktien reagierten mit geringen Abschlägen auf die Veröffentlichung des geplanten Preises. Henkel-Vorzugsaktien verloren knapp ein Prozent und notierten bei 36,60 Euro. ICI-Aktien legten dagegen deutlich zu.

Von dem Zukauf würde sich Henkel große Einsparungen erwarten. Synergien von 240 bis 260 Mill. Euro könnten damit verwirklicht werden. Der Zukauf soll den Gewinn schon im ersten Jahr wachsen lassen. Der durch Marken wie Pritt, Pattex und Persil bekannte Düsseldorfer Konsumartikelhersteller würde sich auch neue Kundengruppen sichern und sein Klebstoff-Geschäft in Asien entscheidend ausbauen. Fast die Hälfte des Umsatzes kämen dann aus dem Geschäft mit Industriegütern und Klebstoffen. Bisher steuern Waschmittel und Kosmetik zusammen mehr als die Klebstoffe zu den Erlösen bei.

Mit der Einigung auf einen Kaufpreis sei Henkel einer Übernahme einen entscheidenden Schritt näher gerückt, betonte Lehner. Zur Finanzierung prüfe man eine Kombination aus Fremd- oder Eigenkapital und einen möglichen Verkauf von Bereichen, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Henkel wolle sicherstellen, dass der Konzern von den Ratingagenturen auch künftig in der „A“-Kategorie eingestuft wird. Die Benotung ist wichtig für eine günstige Refinanzierung.

Mit dem am Montag auf 670 von 650 Pence pro Aktie und zusätzlichen Dividendenzahlungen erhöhten unverbindlichen Angebot von Akzo Nobel werden die Karten neu gemischt. Anders als bisher kündigte ICI an, die Bücher für Akzo Nobel teilweise zu öffnen. Akzo hat nach den britischen Übernahme-Regeln noch bis zum Donnerstag (9. August) Zeit, ein formelles Angebot für ICI einzureichen. Branchenkreisen zufolge könnte Akzo noch einmal Konkurrenz bekommen: Der US-Riese Dow Chemical erwäge eine eigene Offerte, hatte es in den vergangenen Tagen geheißen.

Henkel hatte zuletzt mit der 2004 abgeschlossenen Übernahme des US-Konsumgüterkonzerns Dial einen milliardenschweren Zukauf gestemmt. Mit Dial hatte der Konzern vor allem die Position seiner Waschmittelsparte in den USA gestärkt.

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