Übernahme durch Schaeffler
Conti bereitet Verkauf vor

Die Continental-Unternehmensspitze reagiert auf die Übernahmepläne: Nun sollen Investmentbanker das Angebot der Schaeffler-Familie bewerten. Im Conti-Aufsichtsrat wächst derweil die Kritik am Investmenthaus Goldman Sachs. Die Banker hätten nicht gemerkt, "was sich da zusammenbraut" und damit eine wirksame Abwehrstrategie verhindert.

DÜSSELDORF. Continental-Chef Manfred Wennemer trifft Vorbereitungen für einen möglichen Verkauf des Dax-Konzerns an Schaeffler. Der Vorstand ist derzeit dabei, neben der bereits am 10. Juli eingeschalteten Investmentbank Goldman Sachs weitere Spezialisten als Berater anzuheuern, erfuhr das Handelsblatt gleich lautend aus Aufsichtsrats- und Unternehmenskreisen. Sie sollen nach der Vorlage eines ausführlichen Übernahmeangebotes Stellungnahmen abgeben.

Das Familienunternehmen Schaeffler als Bieter muss bis zum 12. August seine Unterlagen der Finanzaufsicht Bafin übermitteln, die dann zehn Tage prüfen kann. Liegt das Angebot Conti vor, hat die Konzernspitze bis zu vier Wochen Zeit, ein Urteil abzugeben. Der Vorstand könnte sich allerdings durch Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung weitere sechs Wochen Luft verschaffen. Aufsichtsratskreise bestätigten dem Handelsblatt entsprechende Überlegungen. Diese Option könnte als Abwehrmaßnahme gewählt werden, wenn Schaefflers Angebot nicht den Vorstellungen von Vorstand und Aufsichtsrat genügen sollte, hieß es.

"Üblicherweise bezieht der Aufsichtsrat innerhalb von zwei Wochen Stellung", sagte Rechtsanwalt Robert Heym von der internationalen Kanzlei Reed Smith. "Es liegt nahe, dass er zur Urteilsbildung Stellungnahmen von Fachleuten zur Bewertung einholt." Dazu hat Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg die angelsächsische Beratungsfirma Perella Weinberg eingeschaltet. In Übernahmefällen ist es üblich, dass Vorstand und Aufsichtsrat sich unterschiedlichen Beistand holen.

Bietet Schaeffler einen angemessenen Aufschlag auf seine bisherige Offerte von 70,12 Euro, ist Wennemer ermächtigt, entsprechende Gespräche zu führen. Gleiches gilt, sollten die Franken sich mit einem Anteil an Continental von unter 30 Prozent bescheiden - was das Familienunternehmen mehrfach abgelehnt hat.

Um sein Blatt nicht aus der Hand zu geben, kümmert sich Wennemer weiter um eine Abwehr. Aufsichtsratskreisen zufolge ist er in Gesprächen mit mehreren Industrieunternehmen, die als Weißer Ritter in Frage kämen. Um einem solchen Partner den Einstieg zu erleichtern, könnte Wennemer auf eine von der Hauptversammlung bereits genehmigte Kapitalerhöhung zurückgreifen, hieß es.

Unterdessen wird die Kritik an der mangelnden Vorbereitung auf einen Übernahmeversuch wie im Fall Schaeffler lauter. Aufsichtsratskreise kritisierten die Rolle des Investmenthauses Goldman Sachs, das seit längerer Zeit Continental berät. "Die haben nichts davon gemerkt, was sich da zusammenbraut", hieß es.

Goldman Sachs wies auf Anfrage darauf hin, erst vor zwei Wochen ein Mandat von Conti zur Abwehr der Übernahme erhalten zu haben.

Spätestens seit Februar waren die Umsätze mit Continental-Aktien in einem schwachen Markt nach oben geschnellt. Finanzmarktkreisen zufolge soll der Conti-Vorstand aber keinen Wert auf den professionellen Beistand eines Defence-Beraters gelegt haben.

Nach eigenen Angaben prüft die Bafin weiter das Vorgehen der Franken. Die Conti-Anwälte wollen der Schaeffler-Gruppe den Zugriff auf Aktien aus Swap-Geschäften verwehren. Beobachter werten die Aussichten aber als gering. Gelingt es Schaeffler, die Conti-Anleger von ihrem Angebot zu überzeugen, könnten sie ohnehin ganz oder teilweise auf die Aktien aus Bankgeschäften verzichten.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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