Übernahme
Merck kann bei Schering nachlegen

Im Übernahmekampf um den Pharmakonzern Schering hat sich die Darmstädter Merck-Gruppe offenbar bereits einen finanziellen Spielraum für eine höhere Offerte gesichert. Darauf deuten Unterlagen hin, die das Familienunternehmen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat.

FRANKFURT. Bear Stearns, Deutsche Bank und Goldman Sachs haben dem Pharma- und Chemiekonzern danach eine Kreditlinie von 16,1 Mrd. Euro eingeräumt. Das sind rund zehn Prozent mehr, als für die Schering-Übernahme auf Basis des bisherigen Angebots benötigt würde.

Merck hat Anfang der vergangenen Woche ein Angebot für Schering in Höhe von 77 Euro je Aktie angekündigt. Aus dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen soll ein international konkurrenzfähiger Pharmakonzern hervorgehen. Schering lehnt die Offerte von Merck als zu niedrig ab. Vor diesem Hintergrund gehen viele Analysten bereits davon aus, dass Merck beim Preis noch nachlegen muss und dazu letztlich auch bereit ist. „Es kann noch eine Weile dauern, aber die aktuelle Preisentwicklung deutet darauf hin“, sagte Karl-Heinz Scheunemann vom Bankhaus Metzler. Die Schering-Aktie legte am Dienstag Nachmittag um ein halbes Prozent auf 82,70 Euro zu, während Merck fast zwei Prozent an Wert gewann.

Ein Sprecher des Darmstädter Konzerns bekräftigte am Dienstag, man sei nach wie vor der Überzeugung, ein attraktives Angebot für die Schering-Aktionäre vorgelegt zu haben. Er wies darauf hin, dass die Kreditlinie auch die 1,5 Mrd. Euro umfassende Finanzierung des laufenden Geschäfts umfasse, insofern also nicht über den gebotenen Preis von 14,6 Mrd. Euro für Schering hinausgehe.

Allerdings wies Merck zum Jahresende bereits eine positive Cashposition von gut einer halben Milliarde Euro aus und verfügte somit bereits über die Mittel, um das laufende Geschäft zu finanzieren. Überschüssige Liquidität nutzte der Konzern in den vergangenen Monaten, um einen Anteil von knapp fünf Prozent am Schering-Kapital aufzubauen. Allein seit dem 20. Januar erwarb Merck rund 6,3 Millionen Schering-Aktien zu Preisen zwischen 55 und knapp 65 Euro.

Das starke Engagement der Deutschen Bank als Kreditgeber und Berater von Merck führt unterdessen, wie vom Handelsblatt am Freitag bereits berichtet, zu einem Revirement im Schering-Aufsichtsrat. Hermann-Josef Lamberti, der dem Vorstand der Deutschen Bank angehört, hat sein Aufsichtsratsmandat bei Schering am Dienstag niedergelegt, um einen Interessenkonflikt zu vermeiden. Bereits an einer Sitzung des Gremiums in der vergangenen Woche hatte Lamberti nicht teilgenommen. In dieser Sitzung hatte der Aufsichtsrat den Vorstand in seinem Widerstand gegen die Offerte von Merck unterstützt und aufgefordert, alle Optionen zu prüfen, um einen höheren Wert für das Unternehmen zu realisieren.

Seite 1:

Merck kann bei Schering nachlegen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%