Übernahme
US-Steel kauft in Kanada zu

Der kanadische Stahlhersteller Stelco hat sich selbst zum Verkauf gestellt und nun einen Käufer gefunden: US-Steel, größter Stahlproduzent der USA, will mit der Übernahme des kleineren Konkurrenten seine Unabhängigkeit wahren. Das Schicksal des einstigen Marktführes Stelco unterstreicht dabei den weltweiten Trend zur Konsolidierung.

OTTAWA/DÜSSELDORF. Die Konsolidierung in der internationalen Stahlindustrie schreitet voran. Der größte Stahlproduzent der USA, US-Steel, steht kurz davor, den deutlich kleineren kanadischen Konkurrenten Stelco für 1,1 Mrd. US-Dollar in bar (umgerechnet 805 Mill. Euro) zu kaufen. Zusätzlich wird US-Steel Schulden in Höhe von 760 Mill. Euro von Stelco übernehmen.

Mehrere Finanzinvestoren, die zusammen 76 Prozent der Stelco-Aktien halten, sowie das Management des einstmals führenden Stahlproduzenten Kanadas haben der Offerte am Wochenende bereits zugestimmt. US-Steel bietet den Aktionären eine Prämie von 43 Prozent auf den Schlusskurs der Stelco-Aktie am vergangenen Freitag. Die Kartellbehörden müssen die Transaktion zwar noch freigeben. Aber die beteiligten Unternehmen gehen davon aus, dass die Übernahme bis Ende dieses Jahres vollzogen sein wird.

Stelco hatte sich im Juni selbst zum Verkauf gestellt. Mit dem Zuschlag für US-Steel nimmt der Verkaufsprozess jedoch einen von den meisten Experten so nicht erwarteten Ausgang. Branchenkenner waren nämlich zunächst davon ausgegangen, dass ein Konkurrent aus Europa oder Asien das Rennen um den letzten großen unabhängigen Stahlproduzenten Kanadas machen würde.

Interesse an einem Einstieg bei Stelco wurde insbesondere den Unternehmen nachgesagt, die ihre Position auf dem nordamerikanischen Stahlmarkt – dem nach China zweitgrößten der Welt – stärken wollen. Dazu zählen die russische Severstal, die ukrainische Azovstal-Metinvest oder die indische Essar-Gruppe.

Für den größten deutschen Stahlhersteller Thyssen-Krupp dagegen war Stelco „nie ein Thema“, wie ein Konzernsprecher gestern sagte. Der Ruhrkonzern galt in Branchenkreisen auch als ein möglicher Bieter für Stelco, da das kanadische Unternehmen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Konkurrenten Dofasco liegt, um den sich Thyssen-Krupp Anfang 2006 ein – letztlich erfolgloses – Bietergefecht mit dem Luxemburger Stahlriesen Arcelor geliefert hatte. Dieser wurde nur fünf Monate später von Mittal Steel geschluckt.

Im Gegensatz zu Dofasco gilt die Kostenstruktur von Stelco auch nach einem drastischen Arbeitsplatzabbau eher als schlecht, der Einfluss der Gewerkschaften als hoch. Obwohl US-Steel bereits bis Ende 2008 mit jährlichen Einsparungen von 100 Mill. Doller rechnet, geht es den Amerikanern vorrangig darum, ihre Eigenständigkeit zu wahren. „US-Steel ist selbst ein potenzieller Übernahmekandidat“, sagte Hermann Reith, Stahlexperte der BHF-Bank in Frankfurt. Mit dem Zukauf in Kanada könne der Konzern seine kritische Masse erhöhen. Zusammen verfügen die Unternehmen über eine Produktionskapazität von 33 Mill. Rohstahl. Tatsächlich produzierten die aktuelle Nummer sechs und die Nummer 72 der Weltrangliste 2006 aber insgesamt nur 25 Mill. Tonnen Stahl. Das bedeutet Platz fünf in der Welt.

Stelco wird derzeit von Fonds aus Kanada und den USA kontrolliert, die dem Unternehmen auf dem Weg aus einer Umstrukturierung 2006 finanziell unter die Arme gegriffen hatten. Stelco schloss das Jahr 2006 bei 2,6 Mrd. Dollar Umsatz noch mit Verlust ab. Im zweiten Quartal drehte das Ergebnis vor Steuern und Restrukturierungskosten aber bereits ins Plus. Das Stelco-Werk am kanadischen Ufer des Eriesee ist eines der neuesten Stahlwalzwerke Nordamerikas. Stelco hält darüber Beteiligungen an Eisenerzminen in den USA und Kanada und beschäftigt noch rund 4 000 Mitarbeiter.

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