Übernahme von CTI soll Konzern Vorsprung gegenüber Konkurrent GE verschaffen
Siemens stärkt Medizintechnik

Siemens ist weiter auf Einkaufstour. Am Freitag kündigten die Münchener die Akquisition der US-amerikanischen Medizintechnik-Firma CTI Molecular Imaging für rund eine Mrd. Dollar an.

MÜNCHEN. Erst kürzlich hatte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld das Anlagenbau-Geschäft des Konzerns durch die milliardenschwere Übernahme des österreichischen Unternehmens VA Tech gestärkt. Jetzt baut Siemens die Medizintechnik weiter aus. Auf diesem Gebiet ist der Konzern hinter General Electric (GE) weltweit die Nummer zwei. CTI ist in der molekularen Bildgebung stark, die als Zukunftsmarkt gilt, da Krankheiten wie Krebs früher erkannt werden können. Analysten begrüßten den Schritt. „Eine gute Art, Geld auszugeben“, kommentiert James Stettler von DrKW.

Siemens bietet den CTI-Aktionären 20,50 Dollar je Aktie. Das Papier stieg nach Bekanntwerden der Offerte um mehr als 16 Prozent auf 20,40 Dollar. Der Kurs war Ende vergangenen Jahres unter zehn Dollar gesunken, hatte sich seit Jahresbeginn aber wieder erholt.

In der Medizintechnik-Branche grassiert bereits seit längerem das Übernahmefieber. Nach den Milliardendeals der Vergangenheit ist die Übernahme von CTI aber eine eher kleine Transaktion. Siemens-Wettbewerber GE hatte zuletzt für rund zwei Mrd. Dollar die finnische Firma Instrumentarium und für 9,5 Mrd. Dollar den britischen Gesundheitsdienstleister Amersham gekauft. Der US-Konzern Johnson & Johnson übernahm Ende 2004 den Hersteller von Defibrillatoren und Herzschrittmachern Guidant für 25 Mrd. Dollar. Experten gehen von weiteren Übernahmen aus.

Siemens werde die Transaktion in bar bezahlen, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Der Münchener Konzern sitzt auf liquiden Mitteln von rund 13 Mrd. Euro. Analysten und Investoren drängen Siemens immer wieder, angesichts der gefüllten Kassen auf Einkaufstour zu gehen. Doch der Vorstand agierte bisher sehr vorsichtig und zurückhaltend, obwohl Medizintechnik-Chef Erich Reinhardt immer für seinen Bereich Übernahmen angekündigt hatte. Auch nach der Akquisition von CTI werde man die Augen weiter offen halten, hieß es.

Siemens sieht sich nun gegenüber GE im Vorteil. Begründung: Amersham sei lediglich auf dem Gebiet herkömmlicher Kontrastmittel aktiv; CTI befasse sich dagegen mit der innovativeren molekularen Bildgebung. Damit können dann etwa Tumore über so genannte Biomarker schnell lokalisiert werden und weiter mit Computer-Tomographen untersucht und dann behandelt werden. Angewendet werden die Verfahren etwa bei Krebs- oder Herzkrankheiten sowie neurologischen Erkrankungen. Damit könne die Effizienz im Gesundheitswesen und die Patientenversorgung verbessert werden, sagte Siemens-Vorstand Reinhard. Siemens arbeitete mit CTI bereits in der Vergangenheit zusammen.

Die US-Firma CTI mit Sitz in Knoxville im US-Bundesstaat Tennessee beschäftigt rund 1 000 Mitarbeiter. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 402 Mill. Dollar, das operative Ergebnis bei 58 Mill. Dollar. CTI soll voll in den Siemens-Bereich Nuklearmedizin integriert werden, der seinen Sitz in den USA hat. Die Medizintechnik ist einer der großen Gewinnbringer im Konzern. Zuletzt machte der Bereich bei sieben Mrd. Euro Umsatz eine Mrd. Euro Gewinn.

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