Übernahme von Endesa
Baukonzern fährt Eon in die Parade

Der Übernahmekampf um Endesa hat eine überraschende Wendung genommen: Der spanische Baukonzern und Energiedienstleister Acciona ist bei dem ebenfalls spanischen Versorger eingestiegen. Die neue Figur auf dem Schlachtfeld scheint aber nur ein Strohmann zu sein. Die Stoßrichtung ist offenbar, den deutschen Energieriesen Eon beim Ringen um Endesa zu stoppen.

juf/scm/HB MADRID/DÜSSELDORF. Am Montagabend hat Acciona mitgeteilt, für 3,4 Mrd. Euro rund 10 Prozent an Endesa erworben zu haben. Man erwäge, die Beteiligung weiter aufzustocken. Ein Übernahmeangebot sei aber nicht geplant. Dies wäre nach spanischem Recht fällig, wenn der Anteil die Marke von 25 Prozent überschreiten würde. Eon wollte den Vorgang nicht kommentieren.

In Branchenkreisen hieß es, der Einstieg sei vermutlich von der spanischen Regierung eingefädelt worden. Sobald ein heimischer Konzern an Endesa beteiligt sei, könne die Regierung den Widerstand gegen die Eon-Offerte aufgeben, ohne innenpolitisch unter Druck zu geraten. Bislang hatte Madrid sich für die Übernahme Endesas durch die spanische Gas Natural ausgesprochen.

Dagegen war Eon im Februar mit seinem Gebot von 27 Mrd. Euro für den größten spanischen Energiekonzern auf Ablehnung der spanischen Regierung gestoßen. Die Energieaufsichtsbehörde CNE genehmigte die Offerte nur unter scharfen Auflagen. Auf Druck der EU-Kommission ist die Regierung nun aber bereit, die Auflagen zu kippen. Spaniens Industrieminister Joan Clos sagte am Montag, EU-Recht sei auch spanisches Recht und könne von seiner Regierung nicht ignoriert werden.

Endesa-Übername würde teurer

Der Einstieg von Acciona wäre für Eon vermutlich zu verkraften. Konzernchef Wulf Bernotat hatte wiederholt betont, dass er mit einer Mehrheit von knapp über 50 Prozent zufrieden wäre und sich durchaus den Einstieg eines spanischen Investors vorstellen könnte. Allerdings wird Bernotat nicht umhinkommen, die Offerte aufzustocken. Acciona hat 32 Euro je Aktie bezahlt. Eon bietet bislang 25,4 Euro.

Dabei hatte Bernotat noch vor einigen Wochen erklärt, der Konzern sehe keine Notwendigkeit, sein Angebot zu erhöhen. Er hatte jedoch nicht ausgeschlossen, darüber nachzudenken, wenn am Ende des Prozesses etwa zwei Bieter in einem verschlossenen Umschlag ein letztes Angebot abgeben müssten.

Am Dienstag wird eine Entscheidung der Europäischen Kommission zu den von der spanischen Energieaufsicht CNE erlassenen Auflagen für eine Übernahme von Endesa durch Eon erwartet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%