Übernahme von Schering
Bayer erwägt Gang vor den Kadi

Merck hat zum Wochenschluss massiv Aktien von Schering gekauft. Damit stört der Darmstädter Pharmakonzern die geplante Übernahme des Berliner Konkurrenten durch Bayer. Die Leverkusener überlegen jetzt, sich juristisch zu wehren. Analysten halten jedoch eine friedliche Lösung für wahrscheinlicher. Die käme Bayer allerdings teuer zu stehen.

FRANKFURT. Nach der massiven Intervention von Merck an der Börse bleiben Bayer nicht mehr allzu viele Optionen. "Das bereits verlängerte Angebot darf weder erhöht noch verlängert werden", sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Um den Rivalen zu stoppen, prüft Bayer nach Angaben aus Konzernkreisen eine einstweilige Verfügung gegen Merck. Die Darmstädter hätten nicht - wie vom US-Recht gefordert - deutlich gemacht, mit welchem Ziel sie ihren Schering-Anteil auf über 5 Prozent erhöhten. Schering ist auch an der Wall Street notiert. Offiziell wollte Bayer allerdings nicht Stellung nehmen.

Analysten rechnen damit, dass Bayer versucht, den Deal auf dem Verhandlungswege zu retten. So hält es etwa Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz für möglich, dass Merck sich von Bayer Patente oder Kooperationszusagen zusichern lässt und im Gegenzug sein Aktienpaket andient. Bislang haben die Leverkusener jedoch praktisch keinen Kontakt zu Merck gesucht. Ein Kontakt über einen Finanzberater sei "nicht ganz glücklich" verlaufen, hieß es in Unternehmenskreisen.

Nachdem Merck das laufende Angebot an die Schering-Aktionäre durch Aktienkäufe torpedierte, hat Bayer selbst am Freitag fast ein Viertel des Schering-Kapitals an der Börse aufgekauft. Trotzdem kontrolliert Bayer damit erst knapp 62 Prozent des Schering-Kapitals. Bis Mittwoch, dem Ende der Annahmefrist, muss sich Bayer jedoch eine 75-Prozent-Mehrheit an Schering gesichert haben. Merck kontrollierte bis zum Wochenende knapp 19 Prozent des Schering-Kapitals. Nach Einschätzung von Analysten hat Merck damit gute Chancen, die Fusion von Bayer und Schering zu verhindern.

Weitere Schering-Zukäufe an der Börse würden Bayer teuer zu stehen kommen, denn die Papiere notieren mittlerweile oberhalb des Bayer-Gebots von 86 Euro. "Zahlt der Käufer während der Angebotsfrist an der Börse jedoch mehr, als er geboten hat, gilt der höhere Preis automatisch für alle Aktien", sagte Hartmut Krause, Übernahmespezialist bei der internationalen Kanzlei Allen & Overy.

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