Übernahme
Warum der Poker um Stada so zäh läuft

Mehrere Finanzinvestoren pokern um den deutschen Arzneimittelhersteller Stada. Doch die Partie zieht sich mit teils skurrilen Vorfällen hin – und der Deal könnte noch platzen. Das käme einigen Spielern sogar gelegen.
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Bad VilbelAdvent und Permira, Bain und Cinven: Zwei Bietergruppen ringen um Stada. Sie wollen je 3,6 Milliarden Euro für den MDax-Konzern zahlen. Doch das reicht Stada nicht. Während das Management den Preis für eine mögliche Übernahme hoch treiben will, gibt es immer wieder Turbulenzen. Wie geht es weiter?

Was macht Stada für Finanzinvestoren überhaupt so interessant?

Wegen der Niedrigzinsen fließt ihnen viel Geld von Investoren zu, das angelegt werden muss. Und Kaufziele wie Stada sind rar. Der Konzern ist der größte unabhängige Hersteller von Nachahmerprodukten (Generika) in Deutschland und hat bei rezeptfreien Markenprodukten wie Grippostad und der Sonnenmilch Ladival eine starke Position.

„Das ist ein wachsender Markt, Stada erwirtschaftet nachhaltige Renditen und hat außerdem den Fuß in interessanten Märkten wie Russland, Spanien und Italien“, sagt Ulrich Huwald, Analyst bei der Bank M.M. Warburg. Tatsächlich ist Stada mit über 10 000 Mitarbeitern in vielen europäischen Ländern, aber auch weltweit, etwa in Asien vertreten.

Steckte Stada nicht zuletzt noch in Schwierigkeiten?

Erst letztes Jahr hatte sich der Investor AOC bei Stada eingekauft, Aufsichtsratschef Martin Abend abgelöst und einen Geschäftsumbau gefordert. Der hat bei Spuren hinterlassen: Zwar stieg Stadas Umsatz 2016 um 2 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Doch Abschreibungen wegen der Einstellung des Brasilien-Geschäfts und des Rückzugs aus Ägypten sowie Währungseffekte belasteten. Mit 92,9 Millionen Euro verdiente Stada 16 Prozent weniger. Investoren glauben, dass der Umbau greift, sagt Huwald. „Sie setzen auf künftig bessere Geschäfte.“

Was haben die Finanzinvestoren mit dem Konzern vor?

Sie wollen Stada komplett übernehmen. Für gewöhnlich veräußern Beteiligungsgesellschaften gekaufte Firmen nach ein paar Jahren wieder, um Gewinn zu machen. Sie sind wegen ihrer teils harten Sanierungsmethoden gefürchtet. Advent hatte auch deshalb beteuert, Stada nicht zerschlagen zu wollen und sich zum Standort Deutschland bekannt. Man werde in die weltweite Expansion investieren.

Wie geht es im Übernahmekampf voran?

Zäh. Gespräche mit den Bietern hatte Stada jüngst verschoben und einen höheren Preis gefordert. Permira und Advent sowie Bain und Cinven sollen 58 Euro je Aktie bieten. Die Gespräche gehen wieder weiter, doch die Prüfung der Bücher, welche Bieter bis Ende März abschließen wollten, zieht sich dahin. Jüngst wurde dann überstürzt die Bilanzvorlage für 2016 wegen einer unbekannten Transaktion verschoben. In Finanzkreisen sieht man eine „Hinhaltetaktik“. Dort schwindet die Geduld. „Es macht sich langsam Unruhe breit.“

Was sorgt noch für Verwunderung?

Wellen schlug ein Bericht, wonach Stada-Chef Matthias Wiedenfels 2016 im Dienstwagen zeitweise abgehört wurde. Zudem seien ihm anonym Fotos und Briefe geschickt worden, die Wiedenfels in vertraulichen Geschäftssituationen und im privaten Umfeld zeigten. Unklar ist auch, welche Rolle Aufsichtsratschef Ferdinand Oetker spielt. Er gilt als Verkaufsskeptiker - auch wenn er dies dementierte. Indes hat er einen Ausschuss gegründet, um einen „engen Austausch“ mit dem Vorstand zu gewährleisten. Für Erstaunen sorgte Oetker, da er den Kaufpreis nach Handelsblatt-Informationen auf mindestens 70 Euro je Aktie treiben will.

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