Übernahmeboom
Aus Fehlern lernen

Übernahmeboom und kein Ende: Die Preise steigen, Anleger überhäufen Beteiligungsgesellschaften mit Geld. Und doch ist nicht alles genau so wie im High-Tech-Boom zur Jahrtausendwende. Die Firmen haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und planen ihre Deals sorgfältiger. Auch die Disziplin hat zugenommen.

NEW YORK. In kaum einem anderen Unternehmen spiegelt sich das Auf und Ab der globalen Übernahmewellen derart deutlich wider wie beim Daimler-Konzern. Der Verkauf der US-Tochter Chrysler an den US-Hedge-Fonds Cerberus markiert den vorläufigen Schlusspunkt einer wechselvollen Geschichte vom integrierten Technologiekonzern zur Welt-AG und wieder zurück. Zugleich stehen die leidvollen Lehren von Daimler jedoch in einem auffälligen Kontrast zu den eher positiven Erfahrungen vieler Konzerne in der aktuellen Übernahmewelle.

Die britischen Unternehmensberater von Towers Perrin kommen in Zusammenarbeit mit der Cass Business School in London zu dem Ergebnis, dass seit 2004 insbesondere mittelgroße Transaktionen den am Aktienkurs ablesbaren Unternehmenswert der beteiligten Firmen deutlich gesteigert haben. „Dieser positive Trend hält an“, sagt Marco Boschetti, Principal bei Towers Perrin.

Bislang wurden Fusionen und Übernahmen (M&A) von den Fachleuten eher skeptisch beurteilt. Untersuchungen der Unternehmensberatung McKinsey zeigen, dass mehr als die Hälfte aller Fusionen in den 90er Jahren als gescheitert betrachtet werden müssen und etwa zwei Drittel die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen konnten. Die verpatzte Fusion von AOL und Time Warner gilt immer noch als abschreckendes Symbol dieser Ära.

Anders als während der vorangegangenen Übernahmewelle gehen die Unternehmen heute aber weitaus besser vorbereitet auf Akquisitionstour. Nicht zuletzt deshalb, weil sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. „Die Fähigkeiten sowohl an der Wall Street als auch innerhalb der Branchen haben sich deutlich verbessert“, sagt Mark Shafir. Der Chef der M&A-Abteilung der Investmentbank Lehman Brothers glaubt deshalb, dass die Bilanz der Übernahmewelle diesmal positiver ausfallen wird.

Viele Unternehmen haben sich von der Illusion verabschiedet, durch Zukäufe neue Geschäftsfelder zu erobern. Die aktuelle M&A-Welle zeichnet sich dadurch aus, dass die Fusionen und Übernahmen meist innerhalb der gleichen Industriezweige stattfinden. „Es geht heute um den Ausbau der Kernkompetenzen und nicht um unüberlegte Diversifizierungen“, sagte Michael Blatz, Leiter des Kompetenzzentrums Restructuring & Finance bei der Unternehmensberatung Roland Berger.

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