Übernahmegespräche wieder aufgenommen
Kampf um Conti geht in die Endrunde

Die Übernahmeschlacht um den zweitgrößten deutschen Automobilzulieferer Continental geht in die entscheidende Phase. Beide Seiten verhandeln heute wieder. Der Druck steigt. Bis zum 26. August Mitternacht läuft die Frist, in der Angreifer Schaeffler sein Angebot noch erhöhen kann, ab.

STUTTGART. „Ich gehe fest davon aus, dass es vorher noch zu einer Einigung kommt“, sagte ein Aufsichtsrat dem Handelsblatt. Die Signale stünden eindeutig auf Verhandlung. In dieser Woche müsse aber der Durchbruch kommen. „Alle verlangten Garantien und Bedingungen müssen aber Teil eines Gesamtpaketes sein“, betonte der Aufsichtsrat.

Wie dieses Gesamtpaket genau aussehen wird, ist allerdings noch offen. So fordert die Arbeitnehmerseite die Beibehaltung der Mitbestimmung und des Tarifvertrags sowie Standort- und Arbeitsplatzgarantien. Kurioserweise vertritt jetzt ausgerechnet Vorstandschef Manfred Wennemer in den Verhandlungen mit Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger ureigene Arbeitnehmerinteressen.

Beobachter sehen noch jede Menge offene Fragen und Stolpersteine. Vor allem der von Conti geforderte deutlich höhere Preis gilt als Knackpunkt. Informell habe Schaeffler allerdings schon rund 75 Euro geboten, heißt es.

Am vergangenen Mittwoch hatte Conti in dem seit Wochen tobenden Übernahmekampf den Fokus auf eine friedliche Einigung gelenkt. Nach einer Aufsichtsratssitzung hatte Conti das Schaeffler-Übernahmeangebot von 70,12 Euro pro Aktie zwar erneut als nicht angemessen abgelehnt, aber zugleich kurzfristig weitere Verhandlungen angestrebt.

In einem Papier hat Conti dem Vernehmen nach den Stand der Dinge in einem Gesamtpaket zusammengefasst. In dem Konzept, das ein Vertragsentwurf sein könnte, sind zum einen Zusagen und Versprechen von Schaeffler aufgeführt. So hatten die Franken angekündigt, Conti solle nicht zerschlagen werden, durch die Transaktion werde es nicht zum Verlust von Arbeitsplätzen kommen. Zum anderen sind die für Conti wichtigen Punkte aufgeführt. Dabei geht es um einen deutlich höheren Preis. Branchenanalysten halten eine Offerte zwischen 80 und 100 Euro pro Aktie für gerechtfertigt.

Die Arbeitnehmervertreter bei Conti dringen auf langfristige und verbindliche Garantien für Standorte und Jobs. Schaeffler habe sich bisher nur zu gegenwärtigen Absichten geäußert und keine belastbaren langfristigen Aussagen gemacht.

Ein wichtiger Punkt sind außerdem erhebliche finanzielle Nachteile für Conti, zu denen es im Falle einer Übernahme kommen könnte. Aufgrund des Wegfalls steuerlicher Verlustvorträge könnte ein Nachteil in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags entstehen.

Unterdessen tun sich Vorstandschef Manfred Wennemer und Aufsichtsratsboss Hubertus von Grünberg mit einer einheitlichen Gesprächsstrategie immer schwerer. Während von Grünberg auf eine schnelle Einigung mit Schaeffler aus ist, sieht sich Wennemer dadurch in seiner eher auf Zermürbung angelegten Verteidigungsstrategie behindert. Von Grünberg soll sogar vorgeschlagen haben, dass der Vorstand nicht mehr allein, sondern gemeinsam mit ihm und seinem Stellvertreter die Verhandlungen führen solle, was Wennemers Entmachtung gleichkäme.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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