Übernahmekampf
Eon-Chef gibt sich bei Endesa siegessicher

Der deutsche Energiekonzern Eon gibt sich in dem seit vier Monaten dauernden Übernahmekampf um den spanischen Versorger Endesa siegessicher. Eon-Chef Wulf Bernotat rechnet mit einer Genehmigung ohne Auflagen. Sollte dieser Fall widererwarten nicht eintreten, hat Bernotat bereits einen Alternativplan in der Tasche.

MADRID. „Wir rechnen damit, dass die spanische Energiebehörde CNE im Juli unser Angebot ohne Auflagen akzeptieren wird“, sagt Eon-Chef Wulf Bernotat im Gespräch mit Journalisten in Madrid. Eon operiere in 20 Ländern und garantiere überall die zuverlässige Versorgung. Es gebe deswegen keinen Grund von spanischer Seite anzuzweifeln, dass das auf der Iberischen Insel nicht möglich sein sollte. Bernotat zeigte sich verärgert über die Dauer des Entscheidungsprozess: „Wir haben der CNE bereits 12 000 Seiten an Informationsmaterial eingereicht. Was brauchen die noch?“

Bereits im September vergangenen Jahres hatte der katalanische Versorger Gas Natural bei der spanischen Börsenaufsicht ein feindliches Übernahmeangebot für Endesa eingereicht. Dies ist nach Meinung vieler Experten mit 21,30 Euro pro Aktie viel zu niedrig. Eon bot am 21. Februar 30 Prozent mehr und kündigte an, bar zu zahlen. Als Reaktion darauf hat die spanische Regierung die Kompetenzen der nationalen Energiebehörde erweitert, die nun als letzte Instanz über das Angebot von Eon entscheiden muss. Das Gebot von Gas Natural hatte die CNE bereits Wochen zuvor genehmigt.

„Es ist möglich, dass die spanische Regierung dem Druck aus Brüssel nachgibt und der Eon-Offerte letztendlich zustimmen wird, aber nicht ohne Auflagen“, heißt es aus Kreisen des Gasnetzbetreibers Enagas. Aber auch für diesen Fall hat Bernotat bereits einen Alternativplan in der Tasche. „Wir haben gegenüber der Börsenaufsicht immer gesagt, dass wir uns mit der Mehrheit an dem Unternehmen zufrieden geben“, sagte er. Auch Gespräche mit dem anderen Bieter, Gas Natural, schließt er nicht aus: „Dafür muss Gas Natural aber gemäß der Übernahmegesetze das derzeitige Angebot zurückziehen.“

Unter den jetzigen Umständen sei es Eon weder erlaubt, mit Endesa noch mit Gas Natural zu reden. Man habe aber bereits Kontakte mit dem größten Endesa-Aktionär, der Sparkasse Caja Madrid, aufgenommen. Caja-Chef Miguel Blesa hofft gemäß spanischen Zeitungsberichten auf mehr Geld. Bernotat schloss derzeit aus, dass Eon das Angebot von 27,50 Euro pro Aktie aufstockt: „Gas Natural bietet viel weniger, und die Endesa-Aktie notiert zur Zeit mehr als ein Euro unter dem Kaufpreis.“

Welche Bedeutung in den zwei juristischen Verfahren, die zur Aussetzung der Endesa-Übernahme geführt haben, liegt, konnte Bernotat nicht beurteilen. Endesa hatte beim Madrider Handelsgericht geklagt, weil sie den Vorverkaufspakt Gas Naturals mit dem spanischen Versorger Iberdrola im Fall einer Fusion mit Endesa für illegal hält. Der Klage war stattgegeben worden. Durch die Hinterlegung einer Kaution über einer Mrd. Euro erzielte Endesa die Aussetzung des Übernahmeprozesses. Das Hohe Gericht bestätigte diesen noch einmal, in dem es ankündigte, dass es untersuchen werde, ob die spanische Regierung sich über die Entscheidung der nationalen Wettbewerbsbehörde hätte hinwegsetzen dürfen. „Ich nehme an, dass Endesa die Klage beim Madrider Handelsgericht wieder zurücknehmen wird, wenn wir die Zusage von der CNE haben. Dann bekommen die Aktionäre endlich das Recht , über beide Offerten zu entscheiden“, sagte Bernotat.

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