Überproduktion
Chrysler-Händler stapeln das Blech

Die US-amerikanische Daimler-Tochter drückt seit Monaten ihre Überproduktion mit hohen Rabatten in den Markt. Branchenkenner sehen das mit Sorge. Denn gerade diese Strategie hatte Chrysler schon einmal zum Sanierungsfall werden lassen.

HB PORTLAND. Dieter Zetsche, Vorstandschef von Daimler-Chrysler, machte aus seinen Sorgen keinen Hehl. „Unsere Bestände sind etwas zu hoch und deshalb müssen wir mehr Kaufanreize geben, als wir wollen“, sagte er gegenüber den „Detroit News“. Was Zetsche vorsichtig einräumt, sehen andere als erste Warnzeichen: „Produktion und Absatz von Chrysler laufen seit Oktober vergangenen Jahres auseinander und sind mittlerweile völlig aus dem Gleichgewicht“, sagt der Chef einer großen Händlerkette, „damit ist die Firma früher schon mehrmals gegen die Wand gefahren.“

Mit Preisnachlässen für die Händler, massiven Verkaufsanreizen für die Kunden und forcierten Verkäufen an Flottenkunden wie zum Beispiel Mietwagenfirmen drückt das Unternehmen Fahrzeuge in den Markt. „Es ist kein gutes Zeichen, wenn Hersteller ihre Händler dafür bezahlen, dass sie ihnen Autos abnehmen“, schreibt Analyst John Murphy von Merrill Lynch. „Überproduktion löst Preiskriege aus und führt zu einer gefährlichen Abwärtsspirale, wie General Motors und Ford auch erfahren haben“, sagt Dave Cole, Chef des Center for Automotive Research.

Während die beiden US-Konkurrenten General Motors (GM) und Ford tief in die Krise fuhren, ging es Chrysler in den vergangenen beiden Jahren vergleichsweise gut. Nach einer dreijährigen Rosskur unter Zetsche gewann das Unternehmen mit populären Produkten Marktanteile dazu und fuhr solide in die schwarzen Zahlen, während GM und Ford auf ihrem Heimatmarkt Anteile verloren und Milliardenverluste schrieben. Auch in den ersten beiden Monaten dieses Jahres sahen die Absatzzahlen von Chrysler besser aus als die der Konkurrenz. Im Februar verkaufte Chrysler fast ein Fünftel mehr PKWs als im Vorjahr.

Um das Blech vom Hof zu schieben, muss der Konzern aber mittlerweile tief in die Tasche greifen. Händler bekommen bis zu 1 000 Dollar Nachlass pro Auto, wenn sie zugeteilte Fahrzeuge abnehmen. Außerdem bekommen Top-Verkäufer höheren Prämien. Nach Angaben des Internet-Dienstes für Autokäufer, Edmunds.com, gab Chrysler im Februar im Schnitt mit rund 3 800 Dollar pro Auto für Verkaufsanreize aus und lag damit einsam an der Spitze, weit vor Ford mit 2 778 und GM mit 2 506 Dollar. Zusätzlich können Käufer noch bis Ende dieses Monats bestimmte Chrysler- oder Dodge-Modelle für 60 Monate zinsfrei finanzieren.

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