Umasatzstärkstes Pharmaprodukt
Bayer und Barr streiten über „Yasmin“-Patent

Dem umsatzstärksten Pharmaprodukt der Bayer AG droht generische Konkurrenz. Ab dem heutigen Donnerstag wird vor einem Gericht im US-Bundesstaat New Jersey darüber verhandelt, ob ein Patent des Leverkusener Konzerns für das Verhütungsmittel "Yasmin" gültig ist. Wie Analysten die Auswirkungen einer Niederlage einschätzen.

HB DÜSSELDORF. Kontrahent von Bayer ist der Pharmakonzern Barr, der eine generische Version vermarkten will. Bayer hatte schon 2005 eine Patentverletzungsklage gegen Barr wegen dieser Absicht eingereicht. Barr wiederum reichte Gegenklage ein, um das Patent für ungültig erklären zu lassen. Der Bayer-Konkurrent hat bereits zugegeben, dass die Vermarktung einer generischen Version von "Yasmin" das Bayer-Patent verletzen würde. Daher geht es in dem Verfahren jetzt darum, ob dieses Patent überhaupt gültig ist. Es handelt sich um eines von drei "Yasmin"-Patenten mit Laufzeit bis zum Jahr 2020.

Generische Konkurrenz droht auch der Yasmin-Variante "YAZ". Hier plant neben Barr auch das Unternehmen Watson eine eigene Version. Auch gegen Watson hat Bayer eine Patentverletzungsklage eingereicht. Manche Beobachter befürchten, dass ein negativer Ausgang des "Yasmin"-Verfahrens auch den YAZ-Streit betreffen könnte. Bayer selbst hat erklärt, die besondere Bedeutung von "Yasmin" und "YAZ" für das Geschäft sei offenkundig. Der Konzern sei fest entschlossen, seine führende Position auf diesem Gebiet weiter auszubauen und werde seine Rechte in dem Verfahren weiterhin entschieden verteidigen.

Mit Produkten der "Yasmin"-Familie hat Bayer in den ersten neun Monaten dieses Jahres 768 Mio EUR erlöst. "Yasmin" steht damit noch vor dem Multiple-Sklerose-Medikament "Betaferon" an der Spitze der umsatzstärksten Pharma-Produkte von Bayer.

Für das laufende Jahr erwarten Analysten Umsätze von mehr als 1 Mrd Euro. Nach Einschätzung der Analysten von Merrill Lynch wären die Auswirkungen einer generischen Konkurrenz auf Bayer jedoch sehr begrenzt, sollte der "Yasmin"-Streit für den deutschen Konzern negativ ausgehen: Das Ebitda des Konzerns im Jahr 2009 werde dann nur 1 Prozent niedriger ausfallen, schätzen sie. Ihr Margenziel von 28 Prozent für das Jahr 2009 werde die Gesundheitssparte von Bayer auch erreichen, wenn eine generische Version von "Yasmin" auf den Markt kommen sollte. Zudem sei eine Einigung mit Barr noch jederzeit möglich.

Das sehen die Analysten der Deutschen Bank ähnlich: Ihre Schätzungen berücksichtigten bereits mögliche generische Konkurrenz für "Yasmin". Außerdem sei das "YAZ" ausgehende Risiko geringer als der Markt gegenwärtig erwarte, schreiben sie in einer Studie. Ein negativer Ausgang der jetzigen Verhandlung bedeute nicht, dass man daraus direkte Schlüsse für die "YAZ"-Auseinandersetzung ziehen könne. Die zusätzlichen Patente für "YAZ" sind nach Einschätzung der Analysten gut, und generische Konkurrenz für dieses Produkt erwarten sie deshalb nicht. "YAZ" hat zudem bis März 2009 in den USA in der Indikation Verhütung eine gesetzliche Marktexklusivität.

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