Umfrage
Firmen haben „massive“ Finanzierungsprobleme

Die Unternehmen in Deutschland haben große Schwierigkeiten, in der Wirtschaftskrise an Kredite zu kommen. Insgesamt hätten die Finanzierungsprobleme "massiv und gravierend" zugenommen. Das fand die KfW-Bankengruppe in einer Umfrage heraus. Aber es gibt auch eine gute Nachricht.

HB BERLIN. Besonders kleine Unternehmen seien betroffen. Aber auch größere Firmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Mio. Euro kämen schwerer an Geld. Dies habe zur Folge, dass die Firmen weniger investierten. Eine flächendeckende Kreditklemme gebe es aber nicht.

Laut dem Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe, Norbert Irsch, ist die Lage noch nicht so schlimm wie in den Jahren 2002 und 2003. "Allerdings ist zu befürchten, dass sich die Situation in den nächsten Monaten weiter verschärfen wird", sagte er. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) befürchtet, dass es spätestens im Spätsommer eine Kreditklemme geben könnte. "Allein die Sorge vor einer Finanzklemme führt dazu, dass Investitionen gebremst werden", sagte BGA-Präsident Anton Börner. Die Deutsche Bundesbank hatte dagegen am Montag erklärt, sie sehe keine Anzeichen für eine Kreditklemme.

Irsch sowie der KfW-Vorstandsvorsitzende Ulrich Schröder betonten, eine so genannte Bad Bank sei dringend nötig, um das schleppende Kreditgeschäft wieder in Gang zu bringen. Nur so könne das Vertrauen der Banken untereinander und das Vertrauen der Investoren in die Banken wieder hergestellt werden. Die Bundesregierung beschloss am Mittwoch Gesetzespläne, wonach die Banken über Bad Banks von ihren Risikopapieren entlastet werden sollen.

Der Umfrage zufolge verlangen Banken heute vor einer Kreditvergabe mehr Unterlagen zu den Vorhaben, die finanziert werden sollen. Zudem pochen sie zunehmend auf Sicherheiten. Dabei hätten kleine Unternehmen eher Probleme, überhaupt einen Kredit zu bekommen, während große Firmen eher über schlechtere Finanzierungsbedingungen klagten, erklärte Irsch. Von den Finanzierungsschwierigkeiten seien der Einzelhandel und die Dienstleistungsbranche besonders betroffen. An der Umfrage der KfW und der Wirtschaftsverbände im ersten Quartal dieses Jahres beteiligten sich rund 3200 Unternehmen.

Irsch ging wie die Bundesregierung für das gesamte Jahr 2009 von einem Wirtschaftsrückgang in Deutschland von etwa minus sechs Prozent aus. "Das meiste von diesen minus sechs Prozent haben wir schon hinter uns. Das war der Absturz im ersten Quartal", sagte er. Der Chefvolkswirt warnte aber vor zu großem Optimismus. Man werde zunächst auf "dem tiefen Boden, auf den wir gefallen sind, langsam weiterwandern und dann langsam ansteigen". Selbst bei einer optimistischen Prognose könne man sagen, dass die Wirtschaftsleistung "nicht vor 2013" das Niveau aus dem Jahr 2008 erreichen werde.

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