Umsatzwachstum
Pharmabranche erwartet mageres Jahr in Deutschland

Das Pharma-Jahr 2013 wird keine berauschenden Gewinne bereithalten, prophezeit der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen. Neben rückläufigen Beschäftigtenzahlen gibt es aber auch gute Nachrichten.
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FrankfurtDie forschenden Pharmaunternehmen rechnen in Deutschland wegen der Einsparungen im Gesundheitssystem mit einem weiteren schwachen Jahr. Staatliche Eingriffe wie Zwangsrabatte auf neue Medikamente erlaubten 2013 allenfalls eine geringes Umsatzwachstum der Hersteller, sagte der Vorsitzende des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), Hagen Pfundner, am Donnerstag in Frankfurt. „Wir müssen feststellen, dass nur die Auslandsmärkte wachsen, während der deutsche Markt stagniert.“ Der Pharmastandort Deutschland lebe wegen der Sparmaßnahmen der Regierung inzwischen fast ausschließlich vom Export.

Laut Pfundner, der das Deutschland-Geschäft des Schweizer Pharmariesen Roche leitet, erwartet 2013 nur etwas mehr als die Hälfte der vfa-Firmen eine leichte Steigerung ihrer Inlandsumsätze. Ein Drittel befürchte dagegen zum Teil deutlich schrumpfende Erlöse hierzulande. Im Export rechnen hingegen nur wenige Konzerne mit rückläufigen Geschäften. Insgesamt erwartet der Verband im laufenden Jahr einen 3,1-prozentigen Zuwachs des Gesamtumsatzes seiner Firmen auf knapp über 40 Milliarden Euro.

Nach Schätzungen des Verbandes werden allein Zwangsrabatte und ein von der Bundesregierung verhängtes Preismoratorium die vfa-Unternehmen in den Jahren 2010 bis 2013 zusammenaddiert mit sieben bis acht Milliarden Euro belasten. Eine sachliche Grundlage für die Sparmaßnahme besteht laut Pfundner angesichts von Überschüssen der Krankenkassen von mehr als 27 Milliarden Euro längst nicht mehr.

„Wir fordern nach wie vor eine sofortige Abschaffung.“ Der vfa vertritt die Interessen von 44 Pharmakonzernen, darunter Größen wie Bayer, Pfizer, GlaxoSmithKline und Sanofi. Seine Mitgliedsfirmen kommen derzeit für rund zwei Drittel des gesamten Arzneimittelumsatzes in Deutschland auf. Die Branche beklagt schon seit geraumer Zeit die Belastungen durch den von sechs auf 16 Prozent erhöhten Zwangsrabatt auf neue Medikamente, hat sich jedoch gegen eine Klage entschieden.

Pfundner befürchtet, dass die Branche in Deutschland im Wettbewerb mit Regionen wie Asien und Lateinamerika bald verstärkt Arbeitsplätze verlieren wird und bei Investitionsentscheidungen leer ausgeht. „Schon heute sehen wir, dass nur Unternehmen, die hierzulande eine industrielle Basis haben, Beschäftigtenzahlen und Investitionsniveau halten können“, sagte der vfa-Chef. Er rechnet damit, dass die Verbandsfirmen ihre Investitionen in Deutschland in diesem Jahr bestenfalls bei 0,9 bis einer Milliarde Euro stabil halten können. Das Vertrauen der Investoren in den Pharmastandort Deutschland habe gelitten, sagte Pfundner. Er selbst habe bei Roche hart darum kämpfen müssen, eine Investition von 200 Millionen Euro in Bayern durchzusetzen. Nach der Prognose des Verbandes wird die Zahl der Beschäftigte bei vfa-Firmen 2013 um 0,5 Prozent auf unter 80.000 sinken.

Vom vfa-Chef kamen aber nicht nur Molltöne zur Lage der Branche. So habe sich die Produktivität der Pharmaforschung verbessert und es schafften wieder mehr neue Arzneien die Zulassungshürde, sagte Pfundner. Dies sei ein weltweiter Trend. So ließ beispielsweise im vergangenen Jahr in den USA die Gesundheitsbehörde FDA so viele neue Arzneien zu wie seit 16 Jahren nicht mehr.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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