Umschuldung
Kreise: Banken lassen Heidelberg Cement nicht fallen

Es könnte ein wesentlicher Schritt zur finanziellen Gesundung des Zementherstellers Heidelberg Cement sein. Laut gut informierten Kreisen steht das Unternehmen vor einer Milliarden-Umschuldung. Die Kreditegeber lassen Heidelberg Cement offenbar nicht fallen.

HB FRANKFURT. Der Zementhersteller Heidelberg Cement könnte in wenigen Wochen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur finanziellen Gesundung machen. Die in diesem und im nächsten Jahr fälligen Bankverbindlichkeiten von bis zu sechs Mrd. Euro dürften im Frühsommer umgeschuldet werden, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen am Donnerstag. Die bisherigen Kreditgeber - allen voran die Deutsche Bank und die Royal Bank of Scotland (RBS) - seien grundsätzlich bereit, bei der Stange zu bleiben. "Ob es aber schon im Mai etwas wird, ist ungewiss. Es könnte auch einige Wochen länger dauern", sagte ein beteiligter Banker.

Heidelberg Cement sitzt nach dem milliardenschweren Kauf des britischen Konkurrenten Hanson auf einem Schuldenberg von mehr als zehn Mrd. Euro. Rund 600 Mio. davon sind im Mai zur Rückzahlung fällig, der weitaus größere Teil folgt ein Jahr später. Heidelberg Cement-Vorstandschef Bernd Scheifele will die Kredite verlängern. Eine Anleihe über 300 Mio. Euro hat das Unternehmen am Freitag planmäßig zurückgezahlt.

Mehr Schwierigkeiten hat Heidelberg Cement damit, frisches Eigenkapital zu gewinnen. Die Vorstellungen des Unternehmens und der Investoren lägen noch weit auseinander, sagte ein Insider und bestätigte einen Bericht der "Financial Times Deutschland". Gesucht würden zwei bis drei Mrd. Euro. "Das wäre ein schönes Eigenkapitalpolster für das Unternehmen und die Banken, aber auch ein großer Brocken", hieß es. Die Suche werde erst nach der erfolgreichen Umschuldung intensiviert. "Es besteht kein Grund zur Panik." An der Börse ist das Unternehmen derzeit 3,75 Mrd. Euro wert. Interesse hätten vor allem Finanzinvestoren angemeldet. Bereits früher genannt worden waren TPG und Bain Capital.

Scheifele hatte auch reiche Familien als Investoren ins Spiel gebracht. Eine Gesamtlösung hatte er zuletzt erst zum Ende des Jahres in Aussicht gestellt, weil die Finanzkrise die Verhandlungen erschwere. "Wir arbeiten an der Neuordnung unserer Finanzierungsstruktur und halten uns alle Möglichkeiten offen", sagte eine Unternehmenssprecherin am Donnerstag. "Ergebnisse gibt es bisher nicht." Heidelberg Cement hat die Investmentbank Morgan Stanley engagiert, um seine Finanzen neu zu ordnen.

Der langjährige Großaktionär von Heidelberg Cement, der Pharmaunternehmer Adolf Merckle, hatte sich zu Jahresbeginn das Leben genommen, weil sein eigenes Firmenimperium hoch verschuldet ist und deshalb in weiten Teilen zum Verkauf steht. Er könnte auch zum Verkauf eines Teils seiner Heidelberg-Cement-Beteiligung von insgesamt 80 Prozent gezwungen sein, müsste dabei aber mit hohen Abschlägen auf den Aktienkurs rechnen.

Das Unternehmen rüstet sich mit Vorratsbeschlüssen für den Kapitalbedarf. Die Hauptversammlung Mitte Mai soll ein neues genehmigtes Kapital beschließen. Heidelberg Cement könnte damit über eine Kapitalerhöhung mit einem Ausgabepreis nahe am Börsenkurs von 30 Euro bis zu 1,7 Mrd. Euro einsammeln, ohne die Aktionäre nochmals zu fragen. Heidelberg Cement müsste die neuen Aktien derzeit aber wohl deutlich billiger anbieten. Dazu sollen die Aktionäre Wandelschuldverschreibungen im Volumen von bis zu 50 Prozent des derzeitigen Grundkapitals auf Vorrat genehmigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%