Umstrukturierung
Puma verliert die letzte Eigenständigkeit

Der französische Großaktionär Pinault will mit der Sportmarke ein neues Standbein für seinen Luxuskonzern aufbauen. Dafür plant der Investor, global starke Marken zuzukuafen und auch darüber hinaus einiges im Konzern umzukrempeln.
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DÜSSELDORF. Drei Jahre ist es her, seit der Chef des Luxusgüterkonzerns PPR, François-Henri Pinault, die Mehrheit an Puma übernommen hat. Jetzt greift der Franzose beim drittgrößten Sportkonzern der Welt voll durch. Die Raubtier-Marke werde künftig Kern eines neuen, zweiten Standbeins von PPR, kündigte der Milliardär gestern an. Der bisherige Puma-Chef Jochen Zeitz soll diesen Sport-Lifestyle-Bereich aufbauen.

Damit verliert Puma 62 Jahre nach der Gründung endgültig die Unabhängigkeit. PPR hält zwar schon länger gut 70 Prozent der Aktien des im MDax notierten Unternehmens. Doch bislang war Zeitz immer noch sein eigener Herr in der Konzernzentrale in Herzogenaurach.

Das ist jetzt vorbei. „Ich habe die Absicht, um Puma herum ein Portfolio von Marken aufzubauen, die Puma ergänzen“, sagte Pinault. Der Umsatz dieser zusätzlichen Säule könnte den des margenträchtigen Luxusbereichs von PPR mit den Labels wie Gucci und Yves Saint Laurent sogar übertreffen. Vergangenes Jahr verbuchte PPR Erlöse von 16,5 Mrd. Euro. Knapp zwei Drittel davon kamen aus dem Einzelhandel, von dem sich Pinault trennen will.

Mit den Einnahmen aus den Verkäufen sollen jetzt die Akquisitionen im Sport bezahlt werden. Wie lange er sich dafür Zeit nehmen möchte, sagte Pinault nicht. Er schwieg auch darüber, welche „globalen, starken Marken“ er für Zukäufe im Visier hat. Allerdings kündigte er an, dass auch Puma selbst noch ergänzt werden könnte.

Darüber hinaus gab Pinault bekannt, dass die Puma AG ihre Rechtsform in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) wandeln wird. Die Umstellung soll auf der Hauptversammlung im April 2011 beschlossen werden. Für den Vorsitz des Verwaltungsrats, der die bisherige Struktur aus Vorstand und Aufsichtsrat ersetzen soll, ist ebenfalls Zeitz vorgesehen.

Im MDax gehörten die Puma-Aktien zu Wochenbeginn mit einem Minus von knapp drei Prozent auf rund 252 Euro zu den größten Verlierern. Der Grund: In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Gerüchte, PPR würde die restlichen Puma-Papiere aufkaufen. Davon will Pinault nichts wissen: „Andere Investments haben Vorrang.“ Nach Ansicht von Branchenexperten geht das Konzept von PPR nur dann auf, wenn Puma eng mit den neuen Marken zusammenarbeitet, die Pinault kaufen möchte.

So könnte PPR auf Know-how von Puma in Vertrieb und Distribution zurückgreifen und auf technisches Wissen der Franken aufbauen. Kämen neue Labels hinzu, „reduzieren sich die Investitionen auf den Markenaufbau“, sagt Hartmut Heinrich von der Unternehmensberatung Vivaldi Partners in Hamburg.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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  • Hallo mein Liebling, wie ich befuerchtet habe, unter den Franzosen kann die Unabhaengigkeit schnell ein Ende haben.., xoxooo Alex

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