Umweltabgabe
Airbus droht A380-Stornierung

Eigentlich wollte die private Regionalfluglinie Hongkong Airlines ganze zehn europäische Großflugzuge kaufen. Doch wegen eines Streits um Emissionsabgaben kündigt sie nun einen Rückzieher an.
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PekingDie Fluglinie Hongkong Airlines erwägt, eine Bestellung von zehn Flugzeugen des Typs A380 zurückzuziehen. "Wir können nicht gegen die Interessen unsers Landes handeln", sagte Firmenchef Yang Jianhong der Zeitung "South China Morning Post". Hintergrund ist ein drohender Handelskrieg zwischen Europa und anderen Wirtschaftsräumen um Emissionssteuern. 

Airbus zufolge hat sich Hongkong Airlines noch nicht mit einer Stornierung bei dem Hersteller gemeldet. "Der Status der Bestellung ist unverändert", sagte ein Sprecher dem Handelsblatt.

 Die EU befindet sich derzeit in einem heftigen Streit mit China und den USA um die Einführung einer Umweltabgabe. Alle Flieger, die in Europa starten oder landen sollen demnach Emissionsrechte kaufen müssen - selbst dann, wenn die Flugstrecke zum größeren Teil außerhalb der EU verlief. Die Europäer haben damit die Mehrheit der anderen Industriestaaten gegen sich. 

Peking hat sich besonders früh gegen die Besteuerung der eigenen Fluglinien durch eine fremde Macht ausgesprochen. Umweltschutz sein ein hohes Ziel, doch Europa könne nicht einfach zusätzliche Abgaben von ausländischen Firmen verlangen, lautete die Botschaft aus Peking. "Die EU muss den unterschiedlichen Entwicklungsstatus berücksichtigen, auf dem sich verschiedene Länder befinden", sagte der Chef der chinesischen Flugaufsicht, Li Jiaxing. 

Airbus befürchtet schon länger geschäftliche Nachteile wegen des Konflikts. "Die Chinesen sind wirklich verärgert", sagte ein Airbus-Sprecher im vergangenen Jahr in Peking. "Es ist klar, dass die Chinesen etwas dagegen tun wollen." Der Sprecher deutete zu diesem Zeitpunkt bereits an, dass eine Stornierung von Flugzeugaufträgen drohen könnte, wenn die Auseinandersetzung eskaliert. 

Hongkong Airlines gehört zu 45 Prozent der teilstaatlichen chinesischen Fluglinie Hainan Airlines. Ihr Gründer Robert Yip ist ein bekannter Entrepreneur und agiert im Prinzip unabhängig von staatlichem Einfluss. Doch jetzt sagt er, er könne sich "gewissen Zwängen" nicht enziehen.

Die Stadt Hongkong gehört zum chinesischen Staatsgebiet, hat jedoch eine demokratische Verfassung sowie Presse- und Wirtschaftsfreiheit. Doch Yip ist ganz vom Wohlwollen chinesischer Behörden abhängig: Er macht sein wichtigstes Geschäft mit China-Strecken. Seine Flotte ist noch sehr klein und umfasst erst ein Dutzend Flugzeuge, soll jedoch in den kommenden Jahren auf dem boomenden chinesischen Markt stark expandieren. 

Die zehn A380 hat Hongkong Airlines erst im vergangenen Sommer auf der Flugschau in Paris bestellt. Wegen des laufenden Emissionsstreits hatte Peking sofort Einspruch erhoben. Davon hatten sich jedoch sowohl die EU als auch Yip zunächst nicht beeindrucken lassen. Jetzt scheint der Druck der chinesischen Regierung deutliche gewachsen zu sein. 

Yip hat Hongkong Airlines vor elf Jahren als Hubschrauberdienst gegründet. Seit 2008 bietet das Unternehmen eine Flugverbindung nach Peking an. Heute reicht das Streckennetz in alle Landesteile und international auch bis Moskau und Tokio. Das Unternehmen ist die dritte Hongkongker Fluglinie und ist nicht zu verwechseln mit der deutlich größeren Cathay Pacific.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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  • Europa hat die Welt in den vergangenen Jahrhunderten mit dem Christentum, Bürgerrechten, Demokratie und dem Wirtschaftssystem missioniert.

    Nun ist Europa im Abstieg begriffen und die destruktive Oekoreligion hat in Europa eine grosse Bedeutung erlangt. Jetzt sucht man den Rest der Welt mit dem Glaube an eine CO2 Klimahölle zu missionieren und fordert CO2 Abgaben von Unternehmen aus anderen Teilen der Welt.

    Ich vermute, dass sich der Rest der Welt wehren wird und so droht nicht nur die Abbestellung von Flugzeugen, sondern nach möglichen Weigerungen diese CO2 Abgabe zu bezahlen, Landeverbote und wiederum Landeverbote von der anderen Seite.

    Besser wäre es wenn man in Europa den Anspruch aufgäbe den Rest der Welt missionieren zu wollen. Man könnte die Theorie der "Klimaerwärmung" so modifizieren, dass nur Europäisches CO2 das Klima erwärmt. Dies mag abwegig klingen, aber werden nicht gerade die abwegigsten Oekolegenden, z.B. "Ungelöste Endlagerfrage" am intensivsten geglaubt?

    Vandale

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