Unilever
Frostige Zeiten für Konsumgüter

Die weltweite Wirtschaftskrise hinterlässt jetzt offenbar auch in der vergleichsweise stabilen Konsumgüterindustrie Spuren. Nachdem 2008 besser gelaufen war als erwartet, hat der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever wegen des unkalkulierbaren Verhaltens der Verbraucher seinen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr verweigert. Dafür wird das Unternehmen an der Börse bestraft.

DÜSSELDORF. "Angesichts der momentanen wirtschaftlichen Unsicherheit halte ich es für unangemessen, einen konkreten Ausblick für 2009 zu geben oder die Ziele für 2010 zu bestätigen", sagte Unilever-Chef Paul Polman am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in London.

Finanzchef Jim Lawrence ergänzte: "Niemand kann vorhersagen, wie lange die Rezession dauert und wie hart sie sein wird", sagte er und fügte hinzu: "Wir wollen nicht Geiseln unserer eigenen Prognose werden." Die Börse quittierte diese Einstellung mit einem Kursabschlag von bis zu sieben Prozent. Tags zuvor war bereits der Kurs des größten US-Nahrungsmittelhersteller Kraft Foods um fast zehn Prozent abgestürzt. Die Nachricht eines Gewinneinbruchs von rund 70 Prozent im vierten Geschäftsquartal, die Kraft-Chefin Irene Rosenfeld bei der Vorstellung der Bilanz verbreitete, stieß an der Wall Street auf wenig Verständnis. Dabei schwächelt nicht nur das Nordamerika-Geschäft, der Hersteller von Jacobs-Kaffee und Milka-Schokolade muss auch den weltweiten Preisschlachten Tribut zollen.

"Dass Unilever mit den wieder sinkenden Rohstoffkosten und den anlaufenden Einsparungen durch die Umstrukturierung im Rücken die Ziele für 2010 aussetzt, ist eine Überraschung", hieß es seitens der Credit Suisse. Auch andere Marktteilnehmer hatten sich ermutigendere Signale von dem seit Anfang des Jahres amtierenden Vorstandschef Polman erhofft.

Das Unternehmen, in Deutschland durch Marken wie Knorr, Lipton oder Dove bekannt, werde langfristig ein konkurrenzfähiges Wachstum und steigende Margen abliefern, betonte Polman. Bislang hatte der weltweit drittgrößte Konsumgüterhersteller für 2010 eine 15-prozentige Gewinnmarge sowie ein bereinigtes Umsatzplus von drei bis fünf Prozent pro Jahr in Aussicht gestellt.

Unilever will laut Polman aber künftig noch stärker auf die Kosten achten und schlägt deshalb einen Sparkurs ein. Der Konzern hat sich bereits von einigen Unternehmensteilen getrennt. So wurde 2008 beispielsweise das Bertolli-Olivenölgeschäft verkauft und die Waschmittel-Sparte in Nordamerika an einen Finanzinvestor abgestoßen. Dadurch schnitt Unilever 2008 etwas besser ab als erwartet.

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