Unsaubere Praktiken
Goretex-Hersteller kommt ins Schwitzen

Goretex hat sich weltweit einen Namen gemacht. Doch nun muss Hersteller Gore sich dem Vorwurf stellen, mit unsauberen Praktiken zu arbeiten. Das Unternehmen soll seine Marktposition ausgenutzt haben wie einst Intel.
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MünchenWenn Kunden in ein Sportgeschäft kommen und wetterfeste Kleidung oder wasserdichte Schuhe kaufen wollen, dann fragen sie den Verkäufer nicht selten: „Ist die Jacke aus Goretex?“ Der Stoff des US-Unternehmens Gore ist für viele geradezu eine Garantie, dass sie auch im stärksten Regen trocken bleiben – und dennoch nicht ins Schwitzen kommen, weil das Material atmungsaktiv ist.

Dass Gore gute Ware hat, ist völlig unbestritten. Ob die Geschäftspraktiken des in Familienbesitz befindlichen Konzerns mit einem Umsatz von gut drei Milliarden Dollar allerdings einer genauen Überprüfung standhalten, das wird sich demnächst zeigen.

Die kleine italienische Firma Outdry, deren jährliche Erlöse bei etwa drei Millionen Euro liegen, wirft dem Riesen aus Newark im Bundesstaat Delaware vor, seine dominante Marktposition bei wasserdichten, atmungsaktiven Membranen zu missbrauchen. Deshalb hat Outdry-Gründer Matteo Morlacchi eine Beschwerde bei der EU eingereicht. Auch die amerikanische Handelsaufsicht FTC hat Ermittlungen aufgenommen – aus eigenem Antrieb.

„Gore hat alles getan, damit wir nicht in den Markt eindringen können“, klagt Morlacchi. Der Wirtschaftsingenieur hat zusammen mit seinem Bruder vor einigen Jahren ein Verfahren entwickelt, mit dem eine atmungsaktive und wasserdichte Membrane direkt auf die Außenhaut von Schuhen und Handschuhen laminiert wird. Damit wird der Schuh absolut wasserdicht.

Eigentlich eine feine Sache: „Sogar die Kunden von Gore haben uns bestätigt, dass das den Tragekomfort erhöht“, so Morlacchi. Dennoch wollen viele Anbieter von Outdoorprodukten nicht mit ihm zusammenarbeiten. Morlacchi: „Weil Gore es ihnen verboten hat.“ Den juristischen Kampf zwischen David und Goliath wollte der 44-Jährige lange nicht aufnehmen. Doch 2010 stieg der amerikanische Columbia-Konzern bei Outdry ein – und die Italiener hatten auf einmal die Mittel, teure Anwälte anzuheuern.

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