Unternehmensgewinne
Kommentar: Fehlender Glaube

Stell’ dir vor, es ist Boom, und keiner geht hin. Von der Börse unbemerkt, verdienen Amerikas Unternehmen so viel wie seit Ende der sechziger Jahre nicht mehr, und auch Europas Konzerne nehmen kräftig Fahrt auf. Nur glauben mag es so recht (noch) niemand. Zu viel haben Unternehmen und Analysten früher schon versprochen – und nicht gehalten.

Als der Börsenboom 1999 keine Grenzen kannte und Unternehmen immer optimistischer wurden, verwechselten viele Analysten dies mit grenzenlosem Wachstum. Schnell stellte sich heraus, dass Visionen und trockene Bilanzzahlen weit auseinander klafften. Investmentbanken mussten ihre Ertragsschätzungen herunterschrauben und hinkten der Entwicklung hinterher. Die heiß gelaufenen Börsen stürzten ab, weil Anleger zu lange fremdem Urteil vertrauten und viele Firmen das Geldverdienen vergaßen.

Jetzt halten sich die gescholtenen Unternehmen und Analysten mit Versprechungen zurück und prophezeien lieber zu wenig als zu viel. Damit unterläuft beiden Seiten unter umgekehrten Vorzeichen derselbe Fehler wie früher. Wieder holt die Realität alle Prognosen ein.

Die große Analystenschelte wird diesmal aber ausbleiben. Schließlich verliert keiner etwas, wenn hinterher alles besser kommt als gedacht. Die Qualität der Prognosen hat sich damit allerdings auch nach dem Platzen der Technologieblase nicht gebessert.

Deshalb bleiben neben den fehlerhaften Prognosen die Aktienkurse ein wichtiger Indikator für die Vorhersage künftiger Unternehmenserträge. Schließlich spiegelt die Börse Erwartungen wider. Gemessen an den Kursen, die seit Monaten auf der Stelle treten, endet der Aufschwung schneller als heute noch erwartet. som

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