US-Autobranche
Ausverkauf der US-Autohersteller beschleunigt sich

Nach dem US-Autobauer General Motors (GM) erwägt jetzt auch der Konkurrent Ford den Verkauf einer Marke, um an milliardenschwere Regierungskredite zu gelangen. Möglich scheint eine Trennung von der schwedischen Tochter Volvo.

NEW YORK. Nach dem US-Autobauer General Motors (GM) erwägt jetzt auch der Konkurrent Ford den Verkauf einer Marke, um an milliardenschwere Regierungskredite zu gelangen. Die strategischen Optionen für Volvo würden neu bewertet, teilte Ford gestern mit. Dazu zähle auch eine mögliche Trennung von der schwedischen Tochter. Aus dem Opel-Mutterkonzern GM war bereits vergangene Woche durchgesickert, dass das Management über den Verkauf der Marken Pontiac, Saab, Saturn und Hummer nachdenkt.

Die US-Autoriesen fassen damit vor dem heutigen Kongresstermin über neue Milliardenhilfen gravierende Veränderungen ins Auge. Nach dem vorläufigen Scheitern der milliardenschweren Hilfspläne für die angeschlagene US-Autoindustrie hatte der Kongress den Autofirmen ein Ultimatum zur Vorlage eines Rettungsplans gestellt. Der größte US-Autokonzern GM wirft dafür Jahrzehnte alte Strategien über Bord. Der Geschäftsplan, den GM genau wie Ford und Chrysler am heutigen Dienstag in Washington einreichen muss, sieht US-Medien zufolge Streichungen auf allen Ebenen vor: Während sich der Vorstand zu Einschnitten bei Gehältern, Boni und Dividenden bereiterklärt, könnte die Auto-Gewerkschaft UAW Kürzungen bei Personal- und Sozialkosten sowie die Schließung der sogenannten "Jobs Bank" anbieten. Sie zahlt die Löhne von Gewerkschaftsmitgliedern weiter, wenn sie aus den Firmen längst ausgeschieden sind. GM will zudem mit den Gläubigern Umschuldungen diskutieren und Firmenanteile im Tausch gegen einen Forderungsverzicht anbieten.

GM-Chef Rick Wagoner und Chrysler-Chef Robert Nardelli hatten im November vor dem US-Senat eingeräumt, dass ihren Konzernen ohne unmittelbare Brückenfinanzierung durch die Regierung eine Pleite mit katastrophalen Folgen für den US-Arbeitsmarkt droht. Washington lehnte die Staatshilfen im ersten Anlauf jedoch ab und forderte die Firmen auf, einen "existenzfähigen" Businessplan vorzulegen. Christopher Dodd, der Vorsitzende des Bankenausschusses im US-Senat, hat zudem personelle Veränderungen an der Spitze der Autokonzerne angemahnt.

Er ist nicht der einzige. Das "Wall Street Journal" berichtete, der Widerstand gegen GM-Chef Wagoner wachse auch im Board des Konzerns. Während der Verwaltungsrat ausdrücklich betont, dass GM einen Konkursantrag als Option in Erwägung ziehen müsse, hat sich Wagoner bisher strikt gegen Vorbereitungen dafür ausgesprochen. Auch der öffentliche Druck wächst mit jedem Tag: "Ich glaube nicht, dass das Topmanagement diese Situation überleben wird", sagte Analyst Clint Currie von der Stanford Group in Washington.

Das GM-Debakel beschäftigt immer mehr Länder. In GM-Kreisen wurde gestern bestätigt, dass sich Saab-Chef Jan-Ake Jonsson mit der Bitte um Hilfe an die schwedische Regierung gewandt hat. Sowohl die GM-Tochter Saab als auch die Ford-Tochter Volvo stünden in intensivem Dialog mit der schwedischen Regierung, sagte ein Sprecher von Industrieministerin Maud Olufsson: "Wir sind bereit, auf Grundlage bestehender EU-Regeln zu helfen." Allein Saab hat im vergangenen Quartal nach internen Angaben einen Verlust von rund 300 Mio. Dollar eingefahren. Die Schweden leiden besonders unter ihrem Amerikageschäft, in dem sie seit Jahren tiefrote Zahlen schreiben.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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