US-Gesundheitsbehörde
Klontier-Produkte spalten Amerika

Kurz vor der Entscheidung der US-Gesundheitsbehörde FDA über die Zulassung von Fleisch und Milch von Klontieren kochen die Emotionen in der amerikanischen Öffentlichkeit hoch. Politische Kreise und Verbrauchergruppen fordern die Behörde auf, vor einer Freigabe weitere Studien zu verfolgen. Indes lehnen die meisten Verbraucher die Produkte ab.

ebe/ire/shf NEW YORK/DÜSSELDORF. "Wenn die FDA einmal sagt, dass die Produkte sicher sind und auf den Markt kommen, gibt es kaum ein Zurück mehr", sagte Joseph Mendelsohn von der Organisation Center for Food Safety. Eine Sprecherin des führenden US-Milchproduzenten Dean Foods betonte, dass die meisten Verbraucher die Produkte ablehnten. Das Unternehmen werde deshalb keine Milch von geklonten Tieren verkaufen. Auch die US-Nahrungsmittelproduzenten Tyson Foods und Campbell Soup haben bereits angekündigt, sie würden keine Verwendung von geklonten Tieren in ihren Produkten planen.

Seitdem die FDA Klontier-Nahrung vor einem Jahr als "gesundheitlich unbedenklich" eingestuft hat, seien bei der US-Behörde mehr als 30 000 Kommentare eingegangen, sagte eine FDA-Sprecherin. Bisher dürfen die Produzenten von geklontem Vieh ihre Nahrung nicht verkaufen. Dem "Wall Street Journal" zufolge wird die Freigabe der Behörde aber in dieser Woche erwartet.

Profitieren könnten von der FDA-Entscheidung möglicherweise Biotech-Firmen, die sich künftig auf das Klonen von preisgekrönten Milchkühen sowie anderen Nutztieren spezialisieren. Für die in erster Linie betroffenen Industriezweige ist dies aber Zukunftsmusik. Es sei "noch viel zu früh", um die möglichen Auswirkungen der FDA-Entscheidung zu bewerten, ist sich Eberhard Hetzner, Geschäftsführender Vorstand des deutschen Milchindustrie-Verbandes (MIV), sicher. Zudem werde eine Risiko-Einschätzung der obersten US-Nahrungsmittelbehörde heutzutage in Europa nicht mehr aufgefasst "wie das Amen in der Kirche". Sollten von europäischen Regierungen hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit eigene Bedenken geäußert werden, sei ein EU-weiter Importstopp für geklonte Erzeugnisse denkbar.

Brüssel verbietet heute bereits die meisten Fleischimporte aus den USA, weil es in vielen Fällen mit Hormonen behandelt ist. Das Importvolumen von amerikanischem Fleisch beträgt in der EU gerade einmal 70 Mill. Dollar. "Ich rechne daher nicht damit, dass das Klonen von Milchkühen überhaupt zur Anwendung kommt", sagte Verbandschef Hetzner.

Nach offiziellen Angaben wurden in den USA bislang etwa 600 Rinder und 200 Schweine geklont - bei Herstellungskosten von etwa 20 000 Dollar pro Tier. Vor diesem Hintergrund spielen Klontechniken zur Reproduktion von hoch entwickelten Säugetieren in der kommerziellen Biotechnologie bisher nur eine ganz untergeordnete Rolle. Das Interesse an diesem Gebiet hat in den vergangenen Jahren eher noch abgenommen. Neben dem texanischen Unternehmen ViaGen, das sich mit 50 Mitarbeitern als führender Klontier-Produzent sieht, engagieren sich nur sehr wenige Firmen auf diesem Gebiet. Die britische PPL Therapeutics, die vor zehn Jahren mit dem Klon-Schaf Dolly für Furore sorgte, musste bereits vor einigen Jahren aufgeben und ihre entsprechenden Forschungsaktivitäten verkaufen.

Interessant schien die Technik bisher vor allem, um genetisch identische Tiere zu erzeugen, die entweder bestimmte Medikamente produzieren (etwa in Schafsmilch) oder transplantationsfähige Organe enthalten (etwa für die sogenannte Xeno-Transplantation). Beide Konzepte konnten sich bisher nicht durchsetzen und befinden sich nach wie vor weit von der Marktreife entfernt. Große Pharmafirmen wie Bayer oder Novartis haben sich aus entsprechenden Projekten im Laufe der vergangenen Jahre wieder verabschiedet.

Die Reproduktion von Nutztieren für die Landwirtschaft war für Pharmakonzerne oder biopharmazeutische Firmen nie ein Thema. Experten zufolge dürfte das ein Nischengeschäft für wenige Akteure bleiben, ähnlich wie das Klonen von preisgekrönten Rennpferden.

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