US-Kongress prüft Diesel-Skandal
„Volkswagen führt uns besser nicht an der Nase herum“

Der US-Chef von VW muss im Kongress Rede und Antwort stehen. Die Abgeordneten wollen wissen, wie genau die Manipulation der Fahrzeuge vonstattenging. Der Senat prüft derweil, ob zu Unrecht Vergünstigungen gezahlt wurden.

WashingtonDer US-Chef des deutschen Autobauers Volkswagen, Michael Horn, will im Skandal um manipulierte Abgaswerte Abbitte vor dem US-Kongress leisten. „Im Namen unseres ganzen Unternehmens und meiner Kollegen in Deutschland möchte ich eine aufrichtige Entschuldigung anbieten“, heißt es in einer am Mittwochabend vorab veröffentlichten Stellungnahme Horns für eine Anhörung vor US-Politikern am Donnerstag.

„Wir werden mit allen zuständigen Behörden voll kooperieren“, verspricht Horn in dem Redemanuskript. VW übernehme die volle Verantwortung und werde Mittel finden, um seine Kunden zu entschädigen. Aber der Manager bat auch um Geduld - es stehe viel Arbeit bevor, die Aufklärung werde noch dauern. „Wir hatten noch nicht die Gelegenheit, alle Aspekte des Falls zu untersuchen.“

Horn erklärte, im Frühling des vergangenen Jahres von möglichen Verstößen gegen Emissionsregeln erfahren zu haben. Ihm sei auch mitgeteilt worden, dass die US-Umweltbehörde EPA Strafen verhängen könnte. Der seit Anfang 2014 amtierende US-Chef informierte den Kongress zudem, dass VW den Zulassungsantrag für die Fahrzeuge des Modelljahres 2016 zurückgezogen habe. „Wir arbeiten mit den Behörden zusammen, um das Zerfifizierungsverfahren fortzusetzen.“

Der Kongress in Washington läutet mit einer Anhörung Horns formell seine Untersuchung des Abgasskandals bei dem deutschen Autobauer ein. Die Abgeordneten wollen am Donnerstag von ihm erfahren, wie genau die von Volkswagen eingestandene Manipulation der Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen vonstattenging. „Wir haben viele Fragen, wir haben nur sehr wenige Antworten“, sagte die Abgeordnete Diana DeGette. Bei der Untersuchung wird es ihrer Kollegin Marsha Blackburn zufolge auch darum gehen, ob andere Autohersteller betroffen seien. Zudem muss die Umweltbehörde EPA darlegen, warum es so lange dauerte, bis der Skandal aufgedeckt wurde. Die Abgeordneten wollen DeGette zufolge aber auch klären, ob die Standards für Diesel-Autos womöglich zu streng sind.

Horn soll alleine und unter Eid vor einem Gremium des Energie- und Handelsausschusses im Repräsentantenhaus aussagen. „Die Botschaft an Volkswagen lautet, dass sie uns besser nicht an der Nase herumführen“, sagte ein Kongressmitarbeiter. Er verwies darauf, dass der Ausschuss die Herausgabe von Informationen erzwingen könne. Einige Kongressberater kritisieren, dass VW nur zögerlich angefragte Dokumente herausgerückt habe, womöglich wegen interner Turbulenzen.

In den USA sind 480.000 Autos von dem Skandal betroffen, weltweit sind es elf Millionen. VW hat in den USA Entschuldigungsbriefe an die Kunden verschickt.

Der US-Senat prüft zudem, ob in den Vereinigten Staaten zu Unrecht Steuervergünstigungen für VW-Diesel-Autos gezahlt worden sind. Der einflussreiche Finanzausschuss teilte am Mittwoch in Washington mit, Volkswagen könne mit Hilfe der Software zur Manipulation der Abgaswerte möglicherweise eine Bescheinigung für Steuervergünstigungen erhalten haben. Die Käufer von Autos mit geringem Spritverbrauch seien zeitweilig mit 1300 Dollar (1160 Euro) unterstützt worden.

Zusammengerechnet könnten Autokäufer und Volkswagen demnach Subventionen in Höhe von 50 Millionen Dollar erhalten haben. Das Unternehmen habe auf diese Weise möglicherweise seine Verkaufszahlen steigern können.

Angesichts des Abgas-Skandals stelle sich die Frage, ob Volkswagen gegenüber der US-Regierung falsche Angaben in den Zertifikaten für Steuererleichterungen gemacht habe, erklärte der Ausschussvorsitzende Orrin Hatch in einem Volkswagen am Dienstag zugesandten Brief. Darin wird Volkswagen aufgefordert, alle Dokumente und Briefwechsel vorzulegen, in denen es um Anträge für Steuererleichterungen für Diesel-Autos der Marken Golf, Jetta und Audi im Zeitraum von 2007 bis 2011 geht. Der Ausschuss setzte Volkswagen eine Frist bis Ende Oktober.

Dem Unternehmen droht in den USA bereits eine Strafe der Umweltbehörde EPA in Höhe von 18 Milliarden Dollar. Der USA-Chef des Autobauers, Michael Horn, muss am Donnerstag im Washingtoner Kongress wegen des Abgas-Skandals Rede und Antwort stehen.

Volkswagen hat zugegeben, in den USA bei Dieselfahrzeugen Abgastests manipuliert zu haben. Mit Hilfe einer speziellen Software wurden im Testbetrieb deutlich weniger gesundheitsschädliche Stickoxide gemessen als im regulären Betrieb tatsächlich ausgestoßen wurden. Die Software ist weltweit in bis zu elf Millionen Fahrzeugen des Konzerns verbaut.

Agentur
Reuters 
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dpa 
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