US-Tabakkonzern baut 2 600 Stellen ab – Kosten sollen um eine Milliarde Dollar sinken
R.J. Reynolds zieht die Notbremse

Mit einem radikalen Kurswechsel hat der US-Tabakkonzern R.J. Reynolds auf die anhaltende Krise auf dem Zigarettenmarkt reagiert.

tor NEW YORK. Das Unternehmen kündigte an, sich künftig auf seine beiden Spitzenmarken „Camel“ und „Salem“ zu konzentrieren. Zugleich wurde ein rigides Sparprogramm installiert, das bis zum Jahr 2005 die Kosten um 1 Mrd. $ senken soll. Die unmittelbare Folge: Reynolds baut 2 600 Arbeitsplätze ab. Das sind 40 % der Belegschaft. Die damit verbundenen Abfindungen lassen den Konzern seine Ergebnisziele für das laufende Jahr nicht erreichen.

„Reynolds ändert radikal seinen Kurs, um das Wachstum und die Profitabilität sicherzustellen“, sagte Konzernchef Andrew Schindler. Absatzrückgänge und sinkende Margen hätten das Management dazu veranlasst, sich auf die Premium- Marken zu konzentrieren und die Kosten drastisch zurückzufahren. Die Börse in New York reagierte auf die Ankündigung mit einem Kurssprung von knapp 12 %, nachdem das Papier seit Jahresbeginn 26 % an Wert eingebüßt hat. Allerdings wurden die Reynolds-Aktien durch den Gerichtserfolg der konkurrierenden Philip-Morris-Mutter Altria im Rahmen einer Tabakklage mit nach oben gezogen.

Der US-Markt für Tabakprodukte leidet seit Jahren unter einer Absatzflaute. Ein Grund sind die Anti-Raucher-Kampagnen in den USA. Reynolds ist besonders unter Druck geraten, da viele Raucher zu billigeren Marken wechseln und der Marktführer Philip Morris seine Marketinganstrengungen erheblich verstärkt hat. Reynolds fuhr im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 6,2 Mrd. $ einen Verlust von 44 Mill. $ ein. „Sie sind in einer schwierigen Situation im Kampf gegen „Marlboro“ von Philip Morris“, sagte Keith Patriquin der Nachrichtenagentur Bloomberg. Patriquin ist Analyst bei der Kapitalanlagegesellschaft Loomis Sayles & Co.

Von den vier wichtigsten Marken von R.J. Reynolds konnte lediglich Camel in den USA seit dem Börsengang 1999 Marktanteile gewinnen. Zusammen kommen Camel, Doral, Winston und Salem auf 19,1 % am US-Markt, verglichen mit 37,8 % für Marlboro, geht aus den Verkaufszahlen für Juli hervor.

Bislang versuchte der Konzern sein Geschäft zu stabilisieren und Marktanteile für seine insgesamt vier Hauptmarken hinzuzugewinnen. Künftig will Reynolds vor allem das Wachstum seiner Spitzenmarke „Camel“ sichern. An zweiter Stelle steht die Menthol-Zigarette „Salem“, für die das Unternehmen nach wie vor gute Marktchancen sieht. Etwa ein Viertel des US-Marktes entfällt auf Menthol-Zigaretten. Für die beiden anderen Marken „Winston“ und „Doral“ werden künftig weniger Mittel zur Verfügung stehen. Analysten begrüßten insbesondere diesen geplanten Kurswechsel in der Markenpolitik. „Einer ihrer Wettbewerbsnachteile ist, dass sie sich zu stark auf zu viele Marken konzentrieren“, sagte Bonnie Herzog von Smith Barney.

Das angekündigte Sparprogramm wird das Unternehmen im dritten Quartal 205 Mill. $ nach Steuern kosten. Deshalb erwartet Reynolds statt eines Nettoergebnisses von bis zu 250 Mill. $ nur noch einen Gewinn zwischen 50 und 80 Mill. $. Der geplante Stellenabbau soll die Kosten 2004 um 180 Mill. $ senken und dem Gewinn weiter auf die Sprünge helfen.

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