US-Technologieriese
General Electric wankt, aber fällt nicht

Der US-Mischkonzern General Electric (GE) blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück: In diesem Jahr wird die Firma 130 Jahre alt. Das erste Quartal 2009 bot jedoch den Aktionären keinerlei Anlass zum Feiern, allerdings bleibt der Technologieriese in den schwarzen Zahlen. Die einzelnen Sparten des Mischkonzerns im Überblick.

MÜNCHEN. Zum ersten Mal seit den 30er Jahren musste GE seine Dividende kürzen. Als wäre das nicht genug der Schmach, verlor GE nach fünf Jahrzehnten auch noch sein AAA-Rating.

Immerhin: Im Gegensatz zu vielen anderen Konzernen hat es GE geschafft, trotz der Wirtschaftsflaute im ersten Quartal in den schwarzen Zahlen zu bleiben. Der Gewinn je Aktie lag mit 26 Cent sogar um fünf Cent über den Schätzungen der Analysten. Insgesamt erwirtschaftete der Siemens-Konkurrent einen Gewinn von 2,9 Mrd. Dollar, ein Minus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz ging um neun Prozent auf 38,41 Mrd. Dollar zurück.

Börse und Analysten wussten Ende vergangener Woche nach der Veröffentlichung der Zahlen allerdings nicht so recht, was sie mit den Ergebnissen anfangen sollten. Es sei schwer zu sagen, ob das Glas nun halb voll oder halb leer sei, urteilten die Experten der Credit Suisse. Morgan Stanley fand, die Ergebnisse seien wenig überraschend, was in diesen turbulenten Zeiten eigentlich schon positiv sei. In New York ging die Aktie zum Wochenschluss in einem freundlichen Umfeld mit 12,39 Dollar aus dem Handel, ein Plus von fast einem Prozent. Zum Vergleich: Anfang März notierte das Papier noch unter sieben Dollar.

Die einzelnen Sparten des Mischkonzerns schnitten allerdings höchst unterschiedlich ab:

Energieerzeugung: Der Lichtblick

Mit seinen Turbinen und Windrädern tritt GE direkt gegen den Münchener Wettbewerber Siemens an. Das Kraftwerksgeschäft läuft offenbar noch gut, zumindest deutet das Umsatzplus von GE in diesem Bereich von 19 Prozent im ersten Quartal darauf hin. Auch der Gewinn ist gestiegen. Dazu kommt: Die Aussichten sind gut, denn weltweit werden nach Ansicht von GE die Konjunkturprogramme in den nächsten Jahren für neue Aufträge sorgen.

Finanzdienstleistungen: Noch einmal gut gegangen

Profitabel im ersten Quartal und profitabel im ganzen Jahr: so lautet die Botschaft des Unternehmens, was den Finanzbereich angeht. Im Dezember musste sich GE noch frisches Kapital beschaffen, nachdem diese Sparte den Konzern in den Abgrund zu reißen drohte. Der Hintergrund: GE hat im großen Stil Immobilien, aber auch Industrieprojekte finanziert und ist im Endkundengeschäft aktiv, vor allem in Amerika. Im Gegensatz zu Siemens kam die Firma damit voll in den Sog der Bankenkrise. Jetzt sieht es nach Angaben von Konzernchef Jeff Immelt so aus, als sei das Schlimmste überstanden. Analysten weisen allerdings darauf hin, dass der Sparte im ersten Quartal nur eine Steuergutschrift zum Gewinn verholfen hat. Vor Steuern ist ein Verlust von 153 Mio. Dollar aufgelaufen.

Technologie: Licht und Schatten

In diesem Bereich hat GE sein Geschäft mit Zügen, mit der Luftfahrt und Medizintechnik gebündelt. Das meiste Geld verdient der Konzern momentan mit seinen Flugzeugtriebwerken, der Bereich wächst kräftig. Der Gesundheitsbereich und auch die Lokomotiven dagegen mussten im ersten Quartal einen markanten Ergebnisrückgang hinnehmen. Deshalb wird hier jetzt kräftig gespart. Erst Anfang vergangener Woche hatte auch Philips von Schwierigkeiten in der Medizinsparte berichtet.

Medien: Der Dauerbrenner

Nicht erst seit Beginn der Wirtschaftskrise ist die Mediensparte um den US-Kanal NBC und die Universal-Studios das große Sorgenkind von GE-Chef Immelt. In der Flaute geht es dem Bereich jetzt besonders schlecht: Weniger TV-Werbung, weniger verkaufte DVDs und weniger Besucher in den Freizeitparks führten zu einem Gewinneinbruch von 45 Prozent. Die Aussichten für 2009 sind bescheiden.

Konsumenten: Weg damit

Am liebsten hätte Immelt die Kühlschrankfabriken und Glühlampenwerke schon lange verkauft und sich auf das lukrativere Geschäft mit Industrie-Kunden beschränkt. Doch in der Krise findet sich kein Käufer für die ungeliebten Bereiche. Auch Siemens hat Probleme mit der Lichtsparte Osram. Besserung ist nicht in Sicht.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%