Verbandspräsident
Maschinenbau: „Wir sind keine Krisenbranche“

Der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Manfred Wittenstein, gibt sich trotz Auftragseinbrüchen um die 50 Prozent optimistisch. Die Schlüsselbranche sei "vom Grundsatz her hervorragend aufgestellt, wir haben keine Defizite im internationalen Wettbewerb". Kritisch äußerte sich Wittenstein über die Geschäftspolitik der Banken. Hier erwartet er weitere Probleme.
  • 0

Herr Wittenstein, wie geht es Ihrem Unternehmen?

Die Erwartungen, die wir noch vor ein paar Monaten gehabt haben, erfüllen sich nicht. Der Umsatz wird in diesem Jahr um zehn bis 15 Prozent sinken. Dabei entwickeln sich die Märkte ganz unterschiedlich: In manchen Bereichen haben wir sehr starkes Wachstum, in anderen einen extremen Einbruch.

Um welche Märkte geht es?

Medizintechnik läuft gut, ebenso der Bereich Nanotechnologie sowie Sicherheits- und Energietechnik. Auf der anderen Seite gibt es im klassischen Maschinenbau, zum Beispiel Verpackungsmaschinen, große Einbrüche, weil natürlich viele Firmen derzeit nicht investieren. Die große Spannbreite zeigt sich auch in der Beschäftigung: Wir suchen Spezialisten, zum Beispiel Systemanalytiker, Elektroniker, Projektleiter und Motorspezialisten, und fahren in manchen Bereichen Kurzarbeit.

Und mit dieser Spannbreite kommt die Firma klar?

Ja, das ist das Besondere. In Deutschland hat sich ein Wandel vollzogen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer wissen, dass sie voneinander abhängig sind, und dieses Gefühl der Gemeinsamkeit ist stärker geworden. Wir müssen also nicht den Betriebsrat davon überzeugen, dass wir in einer schwierigen Lage sind. Wenn sie eine vernünftige Kommunikationspolitik betreiben und den Betriebsrat ernst nehmen, dann sind heute Dinge möglich, die vor einigen Jahren nicht denkbar waren. Wir wissen aber auch: Das Leben geht weiter, die Krise geht vorbei, und dann wollen wir vorne dabei sein.

Sie glauben immer noch, trotz Auftragsabstürzen um die 50 Prozent, dass unsere Maschinenbauer stärker aus der Krise kommen als andere?

Was mein Unternehmen anbelangt, glaube ich das sehr wohl, weil wir unsere Strukturen anpassen. Und viele andere tun das auch. Alte Dinge werden zurückgefahren, neue ausgebaut. Vom Grundsatz her ist unsere Branche hervorragend aufgestellt, wir haben keine Defizite im internationalen Wettbewerb. Und wir beschäftigten uns mit den zentralen Themen der Menschheit: Gesundheit, Klima, Energie, Wasser, aber zunehmend auch mit Elektromobilität.

Warum werden dann allein in diesem Jahr mindestens 50 000 Arbeitsplätze in der Branche abgebaut?

Der Produktionsrückgang von 22 Prozent in den vergangenen Monaten hat uns überrascht. Und dieser enorme Einbruch ist ja nur ein Durchschnittswert. Es gibt Branchen, zum Beispiel Druck- oder Werkzeugmaschinenbau, da ist die Situation noch viel schlimmer. Ein Kapazitäts- und Personalabbau ist dann unumgänglich. Doch alles in allem bleibt der Stellenabbau weit unter dem Niveau des Produktionsrückgangs. Auch mit Hilfe der Kurzarbeit können wir unsere Stammbelegschaften zum großen Teil halten.

Seite 1:

Maschinenbau: „Wir sind keine Krisenbranche“

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Verbandspräsident: Maschinenbau: „Wir sind keine Krisenbranche“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%