Verhandlungen mit EnBW
Salamander kauft Lurchi zurück

Der Stromkonzern EnBW will die Rechte an der Marke Lurchi verkaufen. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen in Karlsruhe erfuhr, stehen die Verhandlungen mit dem Schuhhersteller Salamander kurz vor dem Abschluss.

DÜSSELDORF. Die Verhandlungen zwischen dem Schuhhersteller Salamander und dem Rechteinhaber EnBW stehen kurz vor dem Abschluss. Dies wurde von Insidern bei Salamander bestätigt. Zum Preis wurden keine Angaben gemacht. Die Unternehmen selbst waren kurzfristig zu keiner Stellungnahme bereit.

Die Lurchi-Lizenz bei der EnBW ist ein Erbe des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Gerhard Goll. Unter seiner Führung hatte die EnBW im April 2000 die Mehrheit am Stuttgarter Salamander-Konzern übernommen. Zur Erklärung, was denn Salamander-Schuhe und EnBW-Strom miteinander zu tun hätten, sagte Goll damals: „Im Grunde sind sowohl Schuhe als auch der Strom profane Produkte. Deshalb passen beide zur EnBW.“

Tatsächlich allerdings gab es zwischen den beiden Unternehmen keinerlei Synergien. Das Schuhgeschäft von Salamander geriet mehr und mehr in Schieflage und musste von der EnBW gestützt werden. Insider werteten die Verbindung ohnehin als Ausdruck einer über viele Jahre gewachsenen Männerfreundschaft der beiden Hauptakteure: Gerhard Goll, dem Vorstandsvorsitzenden der EnBW, und Franz Josef Dazert, dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Salamander. Schon 2001 sah die Bilanz der Stuttgarter aber so schlecht aus, dass eine neue Finanzspritze notwendig wurde. Die EnBW zahlte neun Millionen Mark an Salamander und erhielt dafür die Rechte an der Kinderschuhmarke Lurchi, um überhaupt eine Gegenleistung vorweisen zu können.

Der Stromkonzern jedoch fing damit nie etwas an. Laut Branchenkennern schwebte dem damaligen Chef der Strommarke Yello, Michael Zerr, vor, die Marke Yello mit Lurchi zu beleben und um die Kunstfigur herum eine Kinderwelt aufzubauen. Doch auch daraus wurde nichts. Goll ging im Mai 2003 in den Ruhestand, im Juli 2003 wurde Zerr von dem neuen EnBW-Vorstandsvorsitzenden Utz Claassen beurlaubt.

Salamander wurde 2003 an den Düsseldorfer Schuhhändler Garant verkauft. Beide Unternehmen meldeten ein Jahr später Insolvenz an. Im März 2005 fand Salamander mit der Egana-Goldpfeil-Gruppe einen neuen Eigentümer. Dessen Vorstandsvorsitzender, Hans-Jörg Seeberger, betonte stets, dass er an der Lurchi-Lizenz großes Interesse habe. Die gesamte Branche war sich darin einig, dass die Marken Salamander und Lurchi gemeinsam viel stärker wären als jede für sich. Die EnBW allerdings hielt weiterhin an der Lurchi-Lizenz fest – bis heute. Nach Informationen des Handelsblattes will Salamander in den kommenden Tagen die Heimkehr von Lurchi bekannt geben. Das Motto: Lurchi lebt.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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