Verhandlungen von Eon stocken
BASF mit Gazprom einig über Einstieg

Der Einstieg der BASF-Tochter Wintershall an dem russischen Ostseepipeline-Gasfeld Juschno-Russkoje ist unter Dach und Fach. Damit ist zum ersten Mal ein ausländisches Unternehmen am russischen Gasgeschäft beteiligt. Der ebenso stark interessierte Energieriese Eon konnte sich mit dem Gasmonopolist Gazprom dagegen noch nicht einigen.

HB TOMSK. Zum Abschluss deutsch-russischer Regierungsgespräche im sibirischen Tomsk beteiligte der staatlich kontrollierte russische Gasriese Gazprom die BASF-Tochter Wintershall mit 25 Prozent minus einer Aktie an dem sibirischen Gasfeld. Zusätzlich erhält Wintershall einen 10-Prozent-Anteil ohne Stimmrechte. Im Gegenzug stockt Gazprom seine Beteiligung an Wingas, einem Gemeinschaftsunternehmen mit Wintershall, von 35 auf knapp 50 Prozent auf. Zudem erhält Gazprom Teile einer Wintershall-Fördergesellschaft in Libyen.

Der Vertrag wurde am Donnerstag im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Wladimir Putin von BASF-Chef Jürgen Hambrecht und seinem Gasprom-Kollegen Alexej Miller unterschrieben. Nach ähnlichem Muster dürfte der Einstieg von Eon Ruhrgas in das Feld Juschno-Russkoje erfolgen. Eon will den russischen Energiekonzern Gazprom im Gegenzug für den Einstieg in ein sibirisches Gasfeld an eigenen Gas-Tochtergesellschaften in Ungarn beteiligen, hieß es in Branchenkreisen. Der Vizechef des weltweit größten Gasförderers, Alexander Medwedew, hatte in russischen Medien erklärt, dass die Verhandlungen auf Ungarn abzielten.

Der für April angestrebte Vertragsabschluss zur Beteiligung von Eon am westsibirischen Förderprojekt wird sich aber verzögern. „Wir haben Fortschritte gemacht, aber noch keinen Durchbruch“, sagte Eon-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann am Rande der Hannover Messe. Eon will mindestens ein Viertel der Anteile an dem Gasfeld Juschno Russkoje halten – und auf keinen Fall weniger. „Wenn wir uns an Juschno Russkoje beteiligen, dann mit dem gleichen Anteil wie BASF“, bekräftigte Bergmann. Der Düsseldorfer Konzern verhandelt seit knapp zwei Jahren mit Gazprom. Ein Deal auch mit Eon könne aber in den nächsten drei Monaten noch erzielt werden, zitierte eine russische Nachrichtenagentur Gazprom-Exportchef Alexander Medwedew. „Das Abkommen mit Eon könnte in den nächsten drei Monaten unterzeichnet werden“, sagte Medwedew in Tomsk. Zur begleitenden deutschen Delegation bei den deutsch-russischen Gesprächen gehörte auch Eon-Chef Wulf Bernotat.

Juschno-Russkoje gilt wegen seiner geringen Tiefe als attraktives Vorkommen, dessen zugängliche Reserven auf 500 bis 700 Milliarden Kubikmeter geschätzt werden. Mit dieser Menge ließe sich rein rechnerisch der deutsche Gesamtverbrauch für fünf bis sieben Jahre decken. Gazprom gehören auch 51 Prozent der Betreibergesellschaft der Ostsee-Pipeline, bei der Altbundeskanzler Gerhard Schröder den Aufsichtsrat führt. Den Rest halten Wintershall und Eon-Ruhrgas zu gleichen Teilen. Die Röhre soll vor allem aus dem Feld Juschno- Russkoje gespeist werden.

Die Hängepartie zwischen Eon und Gazprom quittierten Anleger mit Verkäufen. Eon-Aktien verloren mehr als zwei Prozent. „Dass Eon sich mit Gazprom nicht über die Ausbeutung des Gasfeldes in Sibirien einigen konnte, ist negativ für Eon. Und die RWE-Aktien werden mit nach unten gezogen“, sagte ein Händler. Die Titel des Essener Konkurrenten gaben in einem nachgebenden Gesamtmarkt ebenso mehr als zwei Prozent ab. Auch bei BASF traten Investoren auf die Bremse: Nach zuletzt stetigen Kurszuwächsen verlor die Aktie der Ludwigshafener 2,3 Prozent.

Gazprom selbst strebt nach Beteiligungen im Westen und verhandelt darüber auch mit Eon. Nach Informationen aus Branchenkreisen geht es um eine Beteiligung an Eon-Geschäften in Ungarn. Eon hat seit Jahren enge Beziehungen zu Gazprom. Der größte deutsche Energiekonzern hält 6,5 Prozent der Anteile und bezieht rund ein Drittel seine Erdgases aus Russland. Eon und BASF sind zudem mit je 24,5 Prozent an dem Betreiberkonsortium der Ostseepipeline beteiligt, durch die ab 2010 russisches Erdgas von Sibirien nach Deutschland gepumpt werden soll.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%