Verkauf vorerst gescheitert
Eklat erschüttert Berentzen

Der geplante Verkauf des Spirituosenherstellers Berentzen ist vorerst gestoppt worden - begleitet von einem handfesten Eklat: Aufsichtsratschef Manfred Greune erklärte überraschend seinen Rücktritt, und auch sein Stellvertreter Hans-Detlef Bösel sowie Berentzen-Kontrolleur Dieter Barlage legten ihre Ämter nieder.

DÜSSELDORF. Während es offziell lediglich hieß, die Aufsichtsräte seien "aus wichtigem Grund" zurückgetreten, erfuhr das Handelsblatt aus unternehmensnahen Kreisen, dass es zum Zerwürfnis zwischen den drei Eigentümerstämmen des börsennotierten Unternehmens gekommen sei. Die Familie Pabst-Richarz, die 35 Prozent der Stammaktien hält, hatte ihre Stimmrechte zuletzt mit den Stämmen Dr. Hans Berentzen und Friedrich Berentzen gepoolt, die über den Rest verfügen. Dieser Vertrag sei gekündigt worden.

Grund für das Zerwürfnis sind offenbar unterschiedliche Vorstellungen über den Verkauf des Unternehmens. Wie aus Firmenkreisen zu hören ist, waren in den vergangenen Tagen mehrere Angebote eingegangen. Unter ihnen habe sich neben Wettbewerbern, die Interesse an einzelnen Marken bekundeten, auch ein indischer Investor befunden. Der gebotene Kaufpreis habe sich aber nur knapp über dem derzeitigen Börsenwert von hochgerechnet 26 Mill. Euro bewegt - nur die Hälfte des Kapitals wird derzeit in Form von Vorzugsaktien an der Börse gehandelt.

Den beiden Berentzen-Stämmen, vertreten durch den wegen Erfolglosigkeit abgesetzten Vorstandsvorsitzenden Jan Berentzen und Christian Berentzen, habe das Anbot nicht ausgereicht, hieß es. Hans-Reinhard Abels, der die Interessen der Eigentümerfamilie Pabst-Richarz vertritt, sei dagegen für den Verkauf gewesen.

Das erklärt auch den Rücktritt der drei Aufsichtsräte. Sie nämlich waren ursprünglich vom Stamm Pabst-Richarz benannt worden. Berentzen-Kontrolleur Hans-Detlef Bösel, ein ehemaliger Manager der Investmentbank M. M. Warburg, hatte seinen ehemaligen Arbeitgeber zudem mit dem Verkaufsprozess betraut.

Wie es jetzt im emsländischen Haselünne bei Berentzen weitergehen wird, war am Mittwochabend noch ungewiss. Nach Handelsblatt-Informationen ist Aufsichtsratsmitglied Brun-Hagen Hennerkes, ein Experte für Nachfolgeregelungen mit Kanzlei in Stuttgart, gefragt worden, ob er nach dem Scheitern der Verkaufsverhandlungen den Vorsitz des Kontrollgremiums übernehmen wolle. Eine Entscheidung stehe aber noch aus.

Mit dem geplanten Verkauf wollten die Mehrheitseigner eigentlich einen Schlussstrich ziehen unter eine anhaltende Unternehmenskrise. Noch Mitte der 70er-Jahre schaffte das 1758 von Johann Bernhard Tobias Berentzen gegründete Unternehmen einen Verkaufshit nach dem anderen. Der bekannte Apfelkorn und später der Puschkin-Wodka brachten der Firma sprunghaften Umsatzzuwachs. Anschließend aber verstaubten bei Berentzen die Spirituosenmarken, unter ihnen Doornkaat, Strothmann und Bommerlunder.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%